Ein Haus der Hilfe und Verkündigung - Das Alte Dekanat

Nach seiner Renovierung wird das alte Dekanat in Münsingen von Kirche und Diakonie vielseitig genutzt

DIE ARCHITEKTEN DIETER SCHMID (LINKS) UND FRANK HINTZENSTERN (RECHTS) ÜBERGEBEN PFARRER SALOMO STRAUSS UND INA KINKELIN-NAEGELSBACH, LEITERIN DER DIAKONISCHEN BEZIRKSSTELLE IN MÜNSINGEN, EINEN SCHLÜSSEL, VON DEM NACH DEM EINWEIHUNGSFEST IM ALTEN DEKANAT NUR NOCH KRÜMEL ÜBRIG GEBLIEBEN SEIN DÜRFTEN. FOTO: SCHRADE

VON MARION SCHRADE

MÜNSINGEN. Die Mitarbeiter der Diakonischen Bezirksstelle, die Münsinger Kinderkirchkinder und eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien werden das Haus mit Leben füllen: Das alte Dekanat neben der Martinskirche ist nach seiner Sanierung, deren Abschluss gestern gefeiert wurde, ein Gemeinschaftshaus im besten Sinne. Über die vielseitige Nutzung freuen sich Dekan Michael Karwounopoulos und Pfarrer Salomo Strauß besonders: Diese bringe zum Ausdruck, dass Diakonie und Kirche, Hilfe und Verkündigung zusammengehören.

Obdachlosigkeit, ungewollte Schwangerschaft, Sucht oder Lebenskrise: Menschen in Not haben bei der Diakonie mitten in der Stadt eine Anlaufstelle, wo sie Hilfe finden. Dazu passt auch, dass in die Wohnung im nunmehr ausgebauten Dachgeschoss eine dreiköpfige Familie aus Syrien einzieht: »Der Kirchengemeinde war es ein großes Anliegen, dass die Räume einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung gestellt werden«, sagt Kirchenpflegerin Annemarie Schucker.

Sanierung statt Verkauf

185 000 Euro hat die Kirchengemeinde für die Sanierung ausgegeben. Das meiste davon steckt im neuen Dach und in den mit der Nutzungsänderung – die Büros der Diakonie waren bisher Wohnungen – verbundenen Umbauten. Brandschutz und Rettungswege waren, wie Architekt Frank Hintzenstern ausführt, ein großes Thema. Ein solches ist auch die Barrierefreiheit, die Mike Münzing anspricht: Bisher sei sie leider nicht gegeben, der Bürgermeister hofft, dass sich das bald ändern wird. 130 000 Euro hat die Kirchengemeinde aus eigenen Mitteln aufgebracht, die restlichen 55 000 Euro flossen aus Zuschusstöpfen. Darüber hinaus hat der Diakonieverband Reutlingen 70 000 Euro in den Innenausbau seiner Büros investiert. Dessen Geschäftsführer Günter Klinger freut sich, dass Ina Kinkelin-Naegelsbach, die die Diakonische Bezirksstelle leitet, mit ihrem Team endlich in größere Räume umziehen kann.

Die Enge in den bisherigen Büros, berichtet Klinger, sei über die Jahre immer größer geworden. Immerhin: Als »Puffer« bot die Begegnungsstätte Germania Ausweichmöglichkeiten. Im alten Dekanat ist jetzt nicht nur genügend Platz für Büroarbeitsplätze, sondern auch für Veranstaltungen in größerer Runde. Die Gruppenräume wird sonntags auch die Kinderkirche nutzen. Damit, dass von der ersten Idee bis zum Umzug so viel Zeit vergehen würde, hatte Klinger allerdings nicht gerechnet. Im Mai 2005, erinnert sich Architekt Hintzenstern, gab es eine Bestandsaufnahme zum Zustand des Gebäudes, verbunden mit ersten Überlegungen im Kirchengemeinderat. Denn auch ein Verkauf, wie Pfarrer Thomas Lehnardt berichtet, war immer wieder Thema – vor allem auch, weil die Gemeinde das Geld gut für die Sanierung der Martinskirche hätte gebrauchen können.

Ein Ständchen vom Architekten

2009 befasste sich der Oberkirchenrat mit dem alten Dekanat, dessen Baugeschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. 2014, so Hintzenstern, wurde es mit einer Bauberatung konkret, im Frühjahr 2015 wurde der Baubeschluss gefasst – und von da an Monate lang gewerkelt. Auf dem Gerüst waren übrigens nicht nur Handwerker, sondern immer wieder auch ehrenamtliche Helfer anzutreffen, wie Frank Hintzenstern lobend erwähnt. Die Einweihungsfeierlichkeiten krönt er mit einer Einlage, die man von Architekten nicht unbedingt erwartet: Unterstützt von seinem Büro-Partner Dieter Schmid samt Gitarre singt er den Bauherren und Nutzern ein Ständchen. (GEA)

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