Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Predigt von Pfarrer Dr. Salomo Strauß am 15.03.2015

Liebe Gemeinde,

„was ist uns wirklich wichtig?“ Diese Frage stellt uns unser heutiger Predigttext. Wir hören auf das Evangelium nach Johannes im 12. Kapitel:

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Was uns wichtig ist, dafür setzen wir etwas ein. Was uns wirklich wichtig ist, zeigt sich daran, was uns was wert ist. Einige Griechen waren heraufgekommen um anzubeten auf dem Fest. Sie gehörten eigentlich gar nicht zum Volk Gottes und doch wollten sie mit dabei sein – und ließen sich das auch etwas kosten. Sie ließen los und machten sich auf den Weg. Sie pilgerten, hinauf nach Jerusalem zum Passafest, zu dem Passafest, auf das wir gerade wieder zugehen, zu dem Passafest, an dessen Ende Jesus starb.

Sie wollten mit anbeten. Sie waren keine Touristen oder Schaulustige, die dieses religiöse Spektakel miterleben wollten. Sie wollten anbeten. Es ging ihnen nicht um sich, nicht um die anderen, sondern um Gott, den sie anbeten und dem sie die Ehre geben wollten.

Und doch wollen sie noch mehr auf diesem Fest. Anscheinend wissen sie, dass auch Jesus zum Passafest nach Jerusalem gekommen war. Sie gehen zu Philippus und sagten ihm, dass sie Jesus gerne sehen wollen. Sie wollen ihm begegnen.

Voll Ehrfurcht nahen sie sich ihm, treten zunächst an Philippus heran mit ihrer Bitte, dass sie Jesus gerne sehen wollen. Sie scheinen etwas geahnt zu haben davon, dass dieser Jesus nicht nur ein Mensch ist, sondern dass uns in ihm der heilige Gott selbst begegnet.

Die Männer erzählen Philippus von ihrer Sehnsucht, Jesus wirklich einmal zu begegnen, vielleicht auch weil sie wissen, dass wir Menschen es nicht selbst machen können, Jesus zu begegnen, sondern darauf angewiesen sind, dass er uns begegnet.

Das heißt aber nicht, dass sie passiv verharren würden. Sie wollen Jesus wirklich begegnen. Das ist das, was wir tun können. Sie haben sich auf den Weg gemacht, sind nach Jerusalem gepilgert, dorthin, wo sie wissen, dass er auch ist und sie sprechen ihre Sehnsucht Philippus gegenüber aus.

Ob sie ihn davor schon kannten, wissen wir nicht, wahrscheinlich eher nicht. Und doch suchen sie den Kontakt zu ihm. Und Philippus geht mit ihnen weiter, stellt zunächst den Kontakt zu Andreas her und bringt dann mit ihm zusammen ihre Sehnsucht vor Jesus.

Für mich ist das ein Beispiel dafür, wie uns Geschwister im Glauben hilfreich sein können. Wir müssen unseren Weg, auch unseren Glaubensweg nicht alleine gehen. Gott hat uns Glaubensgeschwister an die Seite gestellt. Sie sind Geschwister, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Bei den griechischen Männern, Philippus und Andreas war das wahrscheinlich nicht viel anders. Und doch können Geschwister unsere Sehnsucht vor Jesus bringen, unsere Situation mit ins Gebet nehmen. Auch die Fürbitte hat hier ihren Ort. Trauen wir uns aufeinander so zuzugehen, wie die griechischen Männer auf Philippus und Andreas zugegangen sind, erfahren wir, wie hilfreich solche Geschwister im Glauben sein können.

Wie die Geschichte zwischen Jesus und den griechischen Männern weitergegangen ist, wissen wir nicht. Was wir erfahren ist, wie Jesus Philippus und Andreas begegnet ist, als sie die Sehnsucht der griechischen Männer vor Jesus gebracht haben. Er hat sich ihnen gezeigt. Und so sehen auch wir ihn und erfüllt sich die Sehnsucht, Jesus zu sehen.

Und noch etwas ist erfüllt, die Zeit. Jesus sagt: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Schon zuvor war es also geplant. Jesus zeigt sich damit als der, in dem sich der Plan und der Wille Gottes erfüllen. Jesus wird verherrlicht werden. In ihm und durch ihn wird die Herrlichkeit Gottes aufleuchten, anders freilich, als wir dies erwarten würden und anders auch als die Menschen es erwartet hatten, als Jesus wenige Tage zuvor in Jerusalem eingezogen war.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich darin, dass Jesus wie ein Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt. Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich darin, dass Jesus sich selbst loslassen kann, ja darin, dass er sich loslässt, weil er nicht allein bleiben will, weil Gott nicht ohne uns bleiben will. Die Herrlichkeit Gottes besteht in seiner Liebe zu uns.

Er lässt sich los und stirbt, um Frucht zu bringen, viel Frucht, um eben nicht allein zu bleiben, sondern uns Gemeinschaft mit sich zu schenken. Und das tut er.

Es heißt nicht: Wenn das Weizenkorn erstirbt, geht es, wenn es Glück hat, auf. Nein: Wenn es erstirbt, dann bringt es viel Frucht. Es ist die notwendige Konsequenz. Durch seinen Tod schenkt uns Jesus Gemeinschaft mit sich, Gemeinschaft mit Gott. Darin dass Jesus uns diese Gemeinschaft mit dem Vater schenkt, genau darin zeigt sich die Herrlichkeit Gottes, darin zeigt sich, wer er ist und was er will, darin zeigt sich, was für einen herrlichen Gott wir haben.

Nachdem sich uns Jesus so gezeigt hat, stellt er uns noch einmal die Frage, was uns wirklich wichtig ist, was für ein Leben wir wollen. Leben ist nämlich nicht gleich Leben. Das steckt hinter den nicht ganz einfach zu verstehenden Worten: „Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben.“

Im Griechischen sind hier verschiedene Worte für „Leben“ gebraucht. Lieben wir das Leben, das auch die Tiere haben, lieben wir das Leben nach den Spielregeln dieser Welt, dass jeder sich selbst der Nächste ist, dass sich der Stärkere eben durchsetzt, dass jeder seines Glückes Schmied ist? Dann werden wir das Leben verlieren, das nicht von dieser Welt ist, das Leben, das Gott uns zugedacht hat, das Leben nach seinen Spielregeln, dass er uns zum Nächsten geworden ist wie der barmherzige Samariter, weil auch der Schwächste bei ihm einen unendlichen Wert hat und Gott deshalb unser Glück schmiedet, indem er wie ein Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt – und gerade so viel Frucht bringt und uns Gemeinschaft mit sich schenkt.

Je nachdem, von was für einem Leben wir träumen, dafür setzen wir uns ein, dem ordnen wir uns und – wenn es drauf ankommt – alles andere unter.

Jesus sagt: Wer mir dienen will, der folge mir nach, der gehe hinter mir her. Wer mir dienen will, der soll nicht dies oder jenes tun, der soll sein, wo ich bin.

Damit richtet Jesus unsere Augen auf sich, lässt uns fragen, wo er ist, und lässt uns ihn erspähen in den Texten der Evangelien – und in unserer Welt. So schenkt er uns Gemeinschaft mit sich und lässt uns wachsen in seiner Herrlichkeit. Das Weizenkorn bleibt nicht allein. Es bringt viel Frucht. Amen.

Pfarrer Dr.Salomo Strauß
Evangelisches Pfarramt Münsingen Martinskirche II
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