Pfarrer Dr. Salomo Strauß


Viel Lärm um nichts oder wie uns Gott begegnet
                       1.Könige 19

 

Liebe Gemeinde,

der einst so mutige, so glaubensstarke Elia war am Ende mit seiner Kraft, auf der Flucht vor der Königin Isebel, vor den Umständen, und auf der Flucht vor Gottes Auftrag, vor dem, was er sollte oder was man von ihm erwartete, einfach nur weg.

Ein „ich bin dann mal weg“ kann auch sehr entlastend und erholsam sein. Ja selbst in Konflikten oder festgefahrenen Situationen kann es gut tun, einmal einen Schritt zurückzutreten oder einmal wo ganz anderes zu sein. Manche Emotion kühlt sich so wieder auf eine Normaltemperatur herunter, bei der man miteinander weiterkommen kann. Und der Abstand oder ein fremder Blick auf die Situation hilft nicht selten, wieder neu einen Weg sehen oder finden zu können. Das erlebe ich als Geschenk in Gesprächen und in der Seelsorge.

Elias „ich bin dann mal weg“ erscheint mir hingegen eher als Flucht, als Flucht vor etwas, was er nicht länger will oder mit was er nicht länger umgehen kann. Eine solche Flucht ist keine Lösung. Sie kostet Kraft, so viel Kraft, dass Elia mit seiner Kraft am Ende ist, unter einem Wacholderstrauch zusammenbricht und am liebsten sterben möchte. Manch traumatisiertem Flüchtling geht es ähnlich und auch wir kennen vielleicht solche Situationen oder solche Zeiten.

Gott wendet sich Elia zu. Er schickt ihn nicht wieder zurück. Durch einen Engel stärkt er ihn mit geröstetem Brot und einem Krug mit frischem, klarem Wasser. Er sieht, welchen Weg Elia noch vor sich hat, er weiß, was er dafür braucht und gibt es ihm. Und das ist weit mehr als schlicht Wasser und Brot. Das wird deutlich, wenn Elia durch die Kraft dieser Speise dann 40 Tage und 40 Nächte durchmarschieren kann bis zum Berg Horeb, insgesamt immerhin knapp 500 km.

Was ist das für ein Ort, den sich Elia da als Ziel seiner Reise ausgesucht hat? Es ist ein Ursprungsort, ein Ort von früher und doch ein Ort, der bis heute seine Bedeutung nicht verloren hat. An diesem Berg hat sich Gott Mose im brennenden Dornbusch vorgestellt, auf diesem Berg hat er sich mit seinem Volk verlobt und mit ihm einen Bund fürs Leben geschlossen.

Was sind für Sie solche Ursprungsorte? Die Bank, auf der Sie Ihrer Partnerin zum ersten Mal gesagt haben, dass Sie sie lieben, oder die Kirche, in der Sie geheiratet haben? Ja auch geistlich gibt es solche Ursprungsorte: Vielleicht ist es auch der Taufstein, an dem Sie getauft worden sind, oder der Zeltplatz, auf dem Sie damals an einer Sommerfreizeit vom Jugendwerk oder dem CVJM teilgenommen haben.

Elia geht dorthin zurück und erinnert sich damit an diesen Anfang, gerade jetzt, wo es so ganz anders aussieht. Und es ist auch heute noch ein besonderer Ort. Er erinnert ihn nicht nur an damals, nein, Gott begegnet ihm heute erneut an diesem Ort.

Er fragt ihn zunächst: Was machst du hier, Elia? Für mich steckt darin auch die Frage: Was suchst du hier? Warum bist du hier her gekommen? Was erhoffst du dir davon, wieder einmal hier zu sein?

In dieser Frage steckt das echte Interesse Gottes daran, wie es Elia gerade geht. Und so fängt er an zu erzählen, davon, was er in den letzten Jahren so gemacht hat, davon, wie alleine er sich gerade fühlt und wie verzweifelt er ist.

Und Gott sagt zu ihm: Geh heraus aus der Höhle, in die du dich zurückgezogen hast, tritt hin auf den Berg, steh hin vor den Herrn, deinen Gott, und steh zu deiner Sehnsucht. Und siehe, Gott selbst wird vorübergehen.

Und Elia tritt aus der Höhle, eigentlich an sich schon ein Wunder. Er macht sich verletzlich, angreifbar und steht zu seiner Sehnsucht.

„Gott wird vorübergehen“, hatte er ihm gesagt. Aber wird er ihn erkennen? Auf was für einen würden wir da warten? Es ist fast so, wie wenn ich weiß, dass ich am Flughafen abgeholten werden werde, vielleicht weiß ich auch, wie der oder die heißt, die mich abholen wird, aber ich weiß nicht, wie sie aussieht. Werde ich sie erkennen? Und obwohl ich nicht weiß, wie sie aussieht, ist da doch schon ein Bild in meinem Kopf, wie ich sie mir vorstelle. Und sieht sie dann ganz anders aus, werde ich sie eben nicht so schnell erkennen und etwas länger suchend auf dem Flughafen umherirren und darauf warten, doch endlich abgeholt zu werden.

An der Stelle von Elia hätte ich mich bestimmt gefragt: Werde ich Gott erkennen, wenn er an mir vorübergeht? Auch da habe ich ein Bild in meinem Kopf. Unzählige Maler geben uns mit ihren Bildern von Jesus einen Einblick, wie sie sich diesen Gott vorgestellt haben, auf den sie dann gewartet hätten.

Elia tritt aus der Höhle. Als erstes kommt ein großer, starker Wind, der sogar Berge zerreißen und Felsen zerbrechen kann. Ja, ein großer und starker Wind würde gut zu dem allmächtigen Gott passen. Der Geist Gottes wird oft mit dem Wind verglichen. Sicherlich nicht nur zu unrecht. Ja, und er kann Dinge in Bewegung bringen, auch Dinge, die mir wie festzementiert erscheinen. Bestimmt ist er im Wind. Aber Gott war nicht im Wind. Komisch.

Zweiter Versuch: Nach dem Wind kam ein Erdbeben. Beängstigend. Ich erlebe die Naturgewalten und merke, wie ohnmächtig ich bin, wie wenig ich mein Leben selbst in der Hand habe, beängstigend. Und doch erleben wir gerade in solchen Situationen immer wieder auch, wie Gott seine Verheißung bewahrheitet: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Es wird auf einmal eine Tiefenschicht von Leben freigelegt. Und hat dieses neue Leben nicht auch etwas mit einem Erdbeben zu tun? Gab es nicht auch ein großes Beben, als Jesus gestorben und wieder auferstanden war, den Tod überwunden und das Leben gewonnen hatte? Das Erdbeben würde also auch gut passen. Aber Gott war auch nicht im Erdbeben.

Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, ein Feuer, wie damals am Dornbusch, ein Feuer, wie auch an Pfingsten, als Gott seine Jünger mit seinem Heiligen Geist angesteckt und begeistert hatte. Aber Gott war auch nicht im Feuer.

War vielleicht doch alles nur ein frommer Wunsch? Nach so viel enttäuschten Erfahrungen wäre ich wahrscheinlich wieder in meine Höhle zurückgegangen und hätte mir gedacht, dass das wohl doch wieder nur so ein schönes Versprechen war, ein frommer Wunsch, und die Realität (leider) anders aussieht.

Elia bleibt vor der Höhle stehen. Er gibt damit Gott noch eine Chance. Menschlich gesehen ist das gar nicht so einfach und manchmal auch ein Wunder, und doch die Voraussetzung für das was jetzt kommt.

Nach dem Feuer kommt ein stilles, sanftes Sausen. Um das überhaupt wahrzunehmen, muss man schon aufmerksam sein. Ob ich in diesem zarten Lüftchen Gott erwartet hätte, ich weiß es nicht. Die leichte Brise hat dem verwundeten und geschundenen Elia sicher gut getan und doch weiß ich nicht, ob ich mir davon etwas versprochen hätte, bin ich selbst kraftlos und suche nach Kraft.

Elia scheint es anders gegangen zu sein. Vielleicht hatte er erfahren und gelernt, dass das, was wir uns unter Kraft vorstellen und als Kraft erwarten, doch oft nur zur Schau gestellte oder vorgegaukelte Stärke ist, die aber letztlich keine Kraft zu geben vermag. Elia jedenfalls war offen für das sanfte Säuseln oder für den, der ihm darin begegnen sollte.

Lasse ich mich darauf ein, dass Gott dem Elia ausgerechnet so begegnet, dann fasziniert mich, dass dies Elia anscheinend überhaupt nicht überrascht hat. Als Elia das sanfte Sausen hört, verhüllt er sein Angesicht, geht hinaus und tritt in den Eingang der Höhle. Man könnte fast meinen, er habe Jesus schon gekannt und mit ihm das Geheimnis, dass der allmächtige Gott, dass der, der in göttlicher Gestalt war, sich selbst entäußert, Knechtsgestalt annimmt und uns Menschen gleich wird – genauso unscheinbar. Doch ist nicht vieles, worin uns Gott begegnet, äußerlich unscheinbar? Da ist kein Pomp und keine Gloria, da ist ein unscheinbares Buch, da ist Wasser, da sind Brot und Wein.

Und noch etwas zweites fasziniert mich an diesem Elia: Er tritt hinaus und verhüllt sein Gesicht. Dahinter steht das Wissen, dass niemand den Glanz Gottes sehen kann, wie Gott dies dem Mose gesagt hatte, als er ihm auf diesem Berg die Gebote gab. Für mich drückt sich darin auch eine Ehrfurcht Gott gegenüber aus, eine Ehrfurcht, die wir heute manchmal ein wenig verlernt haben. Vielleicht sehen wir die unscheinbare äußere Form, nehmen das sanfte Säuseln wahr, realisieren aber nicht, dass uns darin nichts desto trotz der allmächtige Gott begegnet, dessen Schönheit wir anders gar nicht ertragen könnten.

Gott eröffnet damit, dass er Elia und uns im sanften Säuseln begegnet, einen Raum der Beziehung. Vor einem Sturm, einem Erdbeben oder einem Feuer würden wir uns versuchen, in Sicherheit zu bringen, und uns zurückziehen. Bei einem sanften Säuseln kann Elia hingegen aus seiner Höhle heraustreten, kann sich diesem Gott aussetzen und ihm begegnen. Das ist nicht einfacher, aber das ist es, was Gott will und was wir Menschen letztlich brauchen.

Und Gott begegnet Elia wirklich. Wieder fragt er ihn: Elia, was hast du hier zu tun? Er spricht ihn damit auch auf seine Bestimmung an. Elia versucht sich zu rechtfertigen, indem er Gott aufzählt, was er alles schon gemacht hat, über die anderen schimpft, die doch so schlecht sind, und sich selbst als Opfer darstellt. Das war es aber gar nicht, was Gott von ihm wollte. Er wollte ihm weder Böses, so dass er sich hätte rechtfertigen oder schützen müssen. Gott will einfach nur, dass Elia nicht an seiner Bestimmung vorbeilebt. Und dafür sind nicht die anderen, sondern dafür ist er selbst verantwortlich. Gott traut ihm das zu.

Er setzt ihn wieder auf die Spur: Geh wieder deines Weges – ermutigt.

Auch wir brauchen solche Berge, auch wir brauchen die Sonntage, die Gottesbegegnungen. Und auch bei uns kommt dann nach dem Sonntag wieder der Montag oder nach dem Urlaub wieder der Alltag. Wie Elia dürfen und sollen wir unsere je eigene Bestimmung leben, von Gott ermutigt.
Amen.

Pfarrer Dr. Salomo Strauß
Evangelisches Pfarramt II Martinskirche Münsingen
Karlstraße 32
72525 Münsingen
 
Telefon: 07381 / 2239
E-Mail: Salomo.Straussdontospamme@gowaway.elkw.de

 

 

 

Gipfeltreffen für den Frieden (Micha 4,1-4)

 

Pfr. Eberhard Seybold, Mehrstetten

Sommerpredigtreihe 2015 im Distrikt Münsingen-Mehrstetten, Berggeschichten in der Bibel

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Berge sind Orte der Sehnsucht und des Ausblicks. Wir besteigen Berge und Hügel, um ein Ziel zu erreichen, innezuhalten und die Aussicht zu genießen.

Wir freuen uns, wenn wir den Anstieg bewältigt haben, wenn wir auf dem Gipfel ausruhen können und wenn wir dann unseren Blick in die Ferne schweifen lassen. Es müssen nicht immer die schneebedeckten Alpengipfel oder

die Spitzen des Himalaya sein; auch unsere Hausberge und die Hügel der Schwäbischen Alb laden uns dazu ein, sie aufzusuchen, dort oben zu verweilen und in aller Ruhe unseren Gedanken nachzuhängen. Dann können wir vielleicht auch etwas entspannen, den Alltag hinter uns lassen und dann wieder voller Mut und Zuversicht in die Niederungen des Daseins hinabsteigen.

Berge sind Orte der Sehnsucht und des Ausblicks. Sie können auch Orte der Gottesbegegnung sein, wo wir uns neu von Gottes Wort inspirieren lassen und wo uns Gott eine neue Sicht der Dinge zeigt. Das ist ja oft so, wenn man sich vom Alltag entfernt und eine Pilgerreise antritt, dass diese Reise oder Wanderung dann zu einem spirituellen Erlebnis wird. Warum sollte das nicht auch bei einer Bergbesteigung der Fall sein?

Der Berg ist in der Bibel oft das Bild für die Offenbarung von Gottes Weisungen und Geboten wie der Berg Sinai, auf dem Mose Gott begegnet und die 10 Gebote erhält. Er ist für Jesus der Ort seiner Bergpredigt und der Verkündigung des Evangeliums mit den Seligpreisungen. Das Bild vom Berg dient auch dem Propheten Micha als Vorlage seiner Botschaft vom kommenden Friedensreich Gottes. Der Berg ist hier das Zentrum einer universalen Friedensbotschaft, die alle Menschen erreichen soll. Auch der Prophet Jesaja überliefert sie wörtlich fast genau so. Es ist also egal, ob wir heute Micha 1,1-4 oder Jesaja 2,2-5 hören: Auf dem Berg des Herrn ergeht die Weisung, dass die Menschen nicht mehr lernen sollen, Krieg zu führen, sondern aus den Schwertern Pflugscharen und aus den Speeren Sicheln zu machen.

Diese Botschaft ist so wichtig, dass sie von einem Berg ausgehen muss. Dieser Berg ist der Berg Zion in Jerusalem, auf dem der Tempel stand und Gott wohnte.

Denn die Propheten kündigen ja das Gericht für Israel an, was bedeutete, dass Jerusalem und der Tempel zerstört werden. So ist es dann auch gekommen, und die Israeliten mussten in das babylonische Exil gehen. Sie haben dort viel Gewalt und Unterdrückung erfahren und waren selbst nicht unbeteiligt an den kriegerischen Auseinandersetzungen und am Zerfall des Volkes durch soziale Ungleichheiten. Immer wieder erhob sich ein Volk gegen das andere, und immer wieder missachteten die Könige und das Volk die Gebote Gottes, die doch die Schwachen schützen und die soziale Teilhabe für alle ermöglichen sollten.

In dieser geschichtlichen Situation, die einen Wendepunkt bedeutete, wagen nun die Propheten Micha und Jesaja einen Neuanfang. Sie stellen den Berg Zion als Gottes Wohnung vor Augen, zu dem alle Völker herzulaufen werden, um sich dort als universale Völkergemeinschaft zu verbinden. Dieses Bild erinnert mich an die Vereinten Nationen, die doch auch den Frieden auf der Welt anstreben.

Es geht nicht darum, dass eine Religion oder ein Gott für alle Menschen gelten soll, sondern darum, dass die Menschen sich in einem Akt der Versöhnung zusammen finden und ihre Zukunft im Zeichen des Friedens gestalten.

Globalisierung nennen wir das heute. Denken in weltweiten Zusammenhängen und nicht nur beschränkt auf den Bereich vor unserer Haustür. Ein klares Votum gegen die Vorstellung, wir bräuchten nur die Grenzen dicht zu machen, dann hätten wir in unserem Land alle Probleme gelöst. Die Völkerwallfahrt vom Zion und die Flüchtlingsströme von heute haben viel miteinander zu tun. Menschen sind miteinander verbunden und müssen diese Erde miteinander teilen. Wir beliefern mit unseren Rüstungsexporten ja auch solche Länder, aus denen viele Flüchtlinge zu uns kommen, weil dort Kriege mit unseren Waffen geführt werden. Es ist nur verständlich, wenn dann umgekehrt solche Menschen als Flüchtlinge zu uns kommen, die vor dem Krieg in ihrem Land fliehen müssen. Nicht nur bei Micha und Jesaja, auch bei uns und heute hängen der Weltfrieden und unsere Lebenskultur zusammen.

„Schwerter zu Pflugscharen“ – das kennen wir noch aus der Zeit der DDR, als die Kirchen in ihrer Friedensarbeit diesen Textilaufnäher verbreiteten und dadurch dem Staat ein Dorn im Auge waren. Dabei steht noch heute das von der Sowjetunion gestiftete Denkmal vor dem UN-Gebäude in New York, wo genau dieses Bibelzitat in Bronze gegossen wurde, nämlich ein überlebensgroßer Arbeiter, der mit weit ausholender Geste ein Schwert im Zeichen des Friedens zu einer Pflugschar umschmiedet. Damit wird nicht nur der Weltfrieden als Ziel der Vereinten Nationen dargestellt, sondern es wird auch die menschliche Arbeit betont, wie das ja auch die Propheten Jesaja und Micha in ihren Visionen tun. Die Menschen sollen keine Kriege mehr führen, sondern ihre Arbeit lieber auf den Acker- und Weinbau verlegen. Mit der Pflugschar wird der Ackerboden bearbeitet, mit der Sichel die Ernte eingebracht, und mit dem Rebmesser werden die Weinreben beschnitten. Der Frieden ist also nicht nur das Einschmelzen und Zerstören von Waffen, sondern der Frieden ist auch harte Arbeit und Arbeit für alle, die etwas tun können. Darum gibt es keinen sozialen Frieden auf der Welt, wenn viele Menschen ohne Arbeit sind und nicht wissen, wie sie ihren Tag verbringen und ihre Zukunft gestalten sollen. Die Arbeit ist wichtig für den Frieden, und wir als Kirche sollten uns überlegen, wie wir uns mehr in die Arbeitswelt einbringen.

Kirche spielt sich ja für die meisten Menschen, wenn überhaupt, nur in der Freizeit ab; wir sind ein Freizeitanbieter unter vielen geworden. Dabei hätten wir doch so viel zu sagen, wenn Menschen unter Druck arbeiten müssen, wenn der Akkord die Menschen kaputt macht, wenn Angestellte und Arbeiter einander Konkurrenz machen und wenn Menschen wie die Frau an der Kasse des Supermarktes den ganzen Tag nur lächeln und immer wieder sagen müssen: „Guten Tag. Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch!“ – auch dann, wenn es ihr schlecht geht und wenn sie es einfach nicht mehr sagen kann.

Wir als Kirche hätten da doch etwas zu sagen gegen die Ausbeutung von Menschen durch die Arbeit, auch in den Billiglohnländern. Wir hätten etwas zu sagen von Gnade und Liebe, von Schuld und Vergebung, von Erlösung und Hoffnung und von der Friedensvision der Propheten Micha und Jesaja.

Die Völkerwallfahrt zum Berg Zion ist wie ein Friedensangebot auf dem Berg der Versöhnung, den auch Martin Luther King in seiner berühmten Rede für die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen in den USA beschrieben hat:

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen werden. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht mehr nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern. Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Berg erniedrigt wird. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen. Das ist unsere Hoffnung. Ich träume davon, dass eines Tages der Krieg ein Ende nehmen wird, dass die Männer ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen, dass kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und nicht mehr kriegen lernen wird. Mit diesem Glauben wird es uns gelingen, den Tag schneller herbeizuführen, an dem Frieden auf Erden ist.“

Wir wissen, dass dieser Frieden auch in Amerika noch nicht erreicht ist, weil Schwarze immer noch benachteiligt werden. Und auch wir sind immer noch auf dem Weg auf diesen Berg des Friedens in unserem Leben und auf der Welt. Es ist ein steiler Weg, aber die Aussicht auf diesem Berg ist wunderschön, und wir sehen von dort aus weit in die Ferne, bis zum Horizont, wo die Luft an klaren Tagen uns den Blick freigibt auf die Gipfel der Alpen und in den Süden, wo das Land des Friedens liegt, wenn wir davon träumen. Jesaja und Micha nehmen uns auf diesen Berg mit ihrer Vision mit und sagen uns: „Kommt, lasst uns hinauf zum Berg des Herrn gehen!“ Amen.

 

Lied EG Nr. 652 „We shall overcome…“

 

Pfr. Eberhard Seybold, Mehrstetten

eberhard.seybolddontospamme@gowaway.elkw.de

 

 

Berg der Hoffnung – Ararat (1. Mose 8,1-12)

 

Prädikant Niels Rusch, Gomadingen

Sommerpredigtreihe 2015 im Distrikt Münsingen-Mehrstetten, Berggeschichten in der Bibel

  

Liebe Gemeinde,

„Mir steht das Wasser bis zum Hals.“ — diesen Satz haben Sie vielleicht selbst schonmal gedacht.

In einer solchen Lage haben Sie den Eindruck, dass Ihre bisher so fest gefügte Welt sich auflöst, im Untergang begriffen ist. Alles, worauf Sie bislang gebaut hatten, bricht in sich zusammen. Nichts ist mehr, wie es einmal war, Sie sehen kein Land mehr.

Ringsumher nur Dunkelheit und Chaos.

Wege in dieses Dunkel kann es viele geben. Die Diagnose einer Krankheit, der Zerbruch von Ehe und Familie, Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Schwierigkeiten, der Tod eines lieben Menschen.

Und auf einmal müssen Sie Ihr Leben ganz neu erfinden.

Wenn ich mir die Geschichten unserer Flüchtlinge in Gomadingen anhöre, dann erleiden sie genau das. Ihr bisheriges Leben ist in einer Chaosflut aus Krieg und Terror untergegangen, sie haben Familienangehörige, Nachbarn, Freunde verloren und müssen um ihr Leben fürchten. So begeben sie sich auf der Suche nach neuem Lebensraum auf die Flucht nach Europa, nach Deutschland.

Wie würden Sie an ihrer Stelle handeln?

Diejenigen, die über das Mittelmeer geflüchtet sind, haben Fluten auch im Wortsinn als elementare Bedrohung für Leib und Leben erfahren.

Erst vor kurzem ist ein weiteres hoffnungslos überladenes Flüchtlingsboot mit mehr als 400 Flüchtlingen an Bord vor der libyschen Küste gekentert. Etwa 200 Menschen mussten ertrinken, die Überlebenden wurden in Libyen inhaftiert.

Mit welcher Begründung auch immer wir Menschen in Existenznot die grundlegendsten Menschenrechte verwehren — wir werden uns dafür verantworten müssen.

Warum nur fällt es uns so schwer, uns selbst in diesen Leidenden zu sehen, ja: Christus in ihnen zu sehen?

Worauf gründen wir unseren Umgang miteinander?

Vom Wasser und der elementaren Bedrohung des Lebens durch es, ja, sogar von der Auslöschung allen Lebens, spricht unser heutiger Predigttext.

Aber auch von der Barmherzigkeit Gottes und neuer Hoffnung für das Leben. Davon, wie das Leben auf einer von Gott geschenkten neuen Grundlage noch einmal ganz von vorn beginnen kann.

1. Mose 8, 1—12

Noah muss die ungeheure Spannung aushalten, in zwei Welten zu leben. Sein Leben zerfällt in ein Leben vor der Flut und ein Leben nach der Flut. Mit seinem Leben markiert Noah eine Wende in der Geschichte Gottes mit der Welt.

Vor dieser Flut war eigentlich alles gut eingerichtet, es hätte ein Leben in der bestmöglichen aller Welten geben können.

Noah überlebt diese Katastrophe, die unseren Verstand übersteigt — aber nichts ist mehr, wie es einmal war. Und er taucht wieder auf in der nun allenfalls noch zweitbesten aller möglichen Welten.

In unserem Gemeindehaus in Gomadingen hängt ein von Kindern gefilzter Wandteppich. Er zeigt ein fröhlich—buntes Bild der Arche mit vielerlei Tieren, überwölbt von einem breiten Regenbogen. Die Komposition der Kinder wirkt wie eine liebliche Idylle. Das Fragliche, das Fragwürdige dieses umwälzenden Ereignisses bleibt dahinter aber verborgen.

Dabei lässt mich der Bericht über die Sintflut durchaus sprachlos zurück. Und das aus mehreren Gründen.

Sprachlos macht mich diese Geschichte, wann immer versucht wird, ihre Fakten den Buchstaben entlang wie einen wissenschaftlichen Bericht zu beweisen.

Expeditionen nach Armenien auf der Suche nach den Überresten der Arche sind gewiss spannend. Auch geologische Studien bezüglich einer weltumfassenden Flutkatastrophe können faszinieren.

Den Kern des biblischen Geschehens aber verfehlen diese Bemühungen und verhindern eher, dass diese Buchstaben aus uralter Zeit in unsere

Tage hinein zu uns zu sprechen beginnen.

Sprachlos macht mich diese Geschichte auch, weil hier Gott selbst als Urheber der Flut geschildert wird. Derselbe Gott, der sich am Ende eines jeden Schöpfungstages daran freut, „wie gut es war“, was er geschaffen hatte, der nach Vollendung seines Schöpfungsschaffens sogar höchste Vollkommenheit feststellt — „und siehe, es war sehr gut“ —  dieser Gott ist jetzt zutiefst enttäuscht von seiner Schöpfung.

Denn, kaum erschaffen, benutzt der Mensch seine gottgewollte Freiheit umgehend dazu, eine vorgegebene Grenze zu überschreiten, um sich die Erkenntnis von Gut und Böse zu verschaffen.

Dieses Mehr an Erkenntnis nutzt der Mensch bis zum heutigen Tag leider nicht dazu, das Böse zu vermeiden. Scheinbar gibt es eine Lust in uns, gerade die verbotenen Wege zu gehen, eine Leidenschaft, die eigenen Gefühle ganz und gar und ohne Rücksicht auf die Kosten auszuleben.

Bereits in der Geschichte von Kain und Abel wird uns vom ersten Mord aus Neid und Eifersucht berichtet.

 Schlussendlich verleidet eine Bosheit unter den Menschen, die alle Vorstellungskraft übersteigt, Gott seine eigene Schöpfung.

Der Mensch zerbricht die Gemeinschaft mit Gott und stürzt damit die gesamte Schöpfung ins Verderben.

Und — ein weiterer Grund zur Sprachlosigkeit — Gott reagiert wie ein enttäuschter Mensch: „Wegwischen werde ich den Menschen, den ich geschaffen habe, von dem weiten Erdboden, …, denn es ist mir leid, dass ich sie gemacht habe.“ [6,7]

Unser sorgsam kultiviertes Bild vom „lieben Gott“ bekommt einen gehörigen Riss. Gott zeigt sich da ganz und gar nicht als „lieb“ im Sinne von „harmlos“. Wir dürfen nicht unterschätzen, wovon die Bibel hier erzählt: nämlich von Gottes Gericht und den Konsequenzen, wenn Menschen sich gegen ihn stellen.

Mit der Urflut will Gott die Erde in das Wasserchaos vor Beginn der Schöpfung zurückführen. Diese radikalste Vernichtung entspricht in ihrer Ausnahmslosigkeit sowohl der Verderbtheit der Menschen, als auch dem tiefen Schmerz Gottes darüber.

Und zugleich lesen wir: „Aber Noah fand Wohlwollen in den Augen Gottes.“

Bei aller Düsternis blitzt bereits hier ein Lichtstrahl auf, der eine neue Zukunft verheißt. Ein Neubeginn ist keine Utopie mehr. Denn: größer noch als Gottes Zorn ist Sein Wohlwollen.

Ein Wohlwollen freilich, das sich an dieser Stelle nur auf Noah und seine Familie erstreckt und seinen Grund in der besonderen Beziehung Gott — Noah hat: „Noah ein gerechter Mann, vollkommen ist er in seinen Zeitaltern gewesen. Mit Ihm, Gott, wandelte er.“, so heißt es. Hier wird von einer Gerechtigkeit gesprochen, die sich im Handeln niederschlägt.

Die 3.000 Einwohner von Dieulefit in den französischen Voralpen versteckten während des 2. Weltkriegs mehr als 1.500 Juden bei sich. Kein einziger wurde verraten, niemand musste sterben. Einige der Einwohner wurden später von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Noah wird aufgrund seines Lebenswandels von Gott als gerecht betrachtet und durch die Flut hindurch gerettet.

Bereits vor Flutankündigung wird für ihn Rettung und Bewahrung greifbar durch die Arche, diesen nicht steuerbaren Kasten aus Holz. Eine Neu-Schöpfung erscheint am Horizont. Über der gesamten Geschichte leuchtet von Anbeginn die erhaltende Gnade Gottes.

Noah betritt die Arche und mit ihm seine Familie, sowie all die Tiere. Dann ereignet sich eine Katastrophe ungeahnter Wucht: das von Gott gebändigte Urmeer, bricht sich durch klaffende Spalten Bahn nach oben, und die Schleusen des Himmels lassen den Himmelsozean herabstürzen. 40 Tage und Nächte gießt es in einem durch, „sintflutartig“.

Ein Blick auf die Überlieferungen der Völker zeigt bei aller Unterschiedlichkeit der Berichte, dass die Flut durchaus ein historisches Ereignis ist, welches sich so tief im Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat, dass uns die Angst vor dem Untergang bis in unsere Träume hinein verfolgt.

Mehr als ein Jahr sind die Bewohner der Arche eingeschlossen auf engstem Raum, dunkel, stickig und laut. Eingesperrt wie in einem Gefängnis, ohne Raum zum Leben. Wie Treibgut schwimmen sie, die

Übriggebliebenen, verloren auf den Weiten der Wasser.

Die Zeit scheint stillzustehen in einem merkwürdigen Schwebezustand zwischen dem untergegangenen Gestern und dem noch nicht aufgetauchten Morgen.

Aber es scheint keinen anderen Weg der Rettung zu geben, als durch diese Flut hindurch.

Petrus wird später das Wasser der Taufe in Beziehung setzen zu den Wassern der Sintflut — in 1. Petrus 3,21 lesen wir: „Das Wasser von damals war das Gegenstück zum Wasser der Taufe, und dieses Wasser rettet jetzt euch. Denn bei der Taufe geht es nicht um etwas Äußeres, das Abwaschen von körperlichem Schmutz. Sich taufen zu lassen bedeutet vielmehr, Gott um ein reines Gewissen zu bitten. Und dass die Taufe uns rettet, verdanken wir der Auferstehung von Jesus Christus.“

Inmitten der Katastrophen meines Lebens behält Gott die Fäden in der Hand. Er schenkt wieder tragfähigen Boden unter meinen Füßen, in ihm bekomme ich festen Halt in den Untergängen meines Lebens.

In unserem Gesangbuch haben wir ein Lied von Johann Andreas Rothe:
„Ich habe nun den Grund gefunden,
der meinen Anker ewig hält;
wo anders als in Jesu Wunden?
Da lag er vor der Zeit der Welt,
der Grund, der unbeweglich steht,
wenn Erd und Himmel untergeht.“  [EG 354, 1]

Ob Noah Angst gehabt hat? Oder Zweifel? Darüber ist nichts berichtet.
Er kann ja an seiner Situation nicht das Geringste ändern, ist nicht der Kapitän der Arche, nicht mehr Herr seines Lebens, hilflos, machtlos, ausgeliefert. Was ihm noch bleibt, ist das Vertrauen in Gottes Wege.

Und dann steht da ganz unvermittelt: „Es gedachte aber Gott des Noah …“
Nicht im Sinne von ‚erinnern‘, so, als ob Gott den Noah vergessen hätte und er ihm nun plötzlich wieder einfiele, sondern im Gegenteil: während der ganzen Zeit hatte Gott des Noah gedacht, um für ihn zu gegebener Zeit die Wendung eintreten zu lassen.

Und weiter: „Und die Arche ruhte auf einem der Berge von Ararat“. Nicht in einem finsteren Tal strandet die Arche, nein, beruhigend fest liegt sie auf dem Gebirge Ararat — Gott ganz nahe und mit einem weiten Ausblick auf die neu erstandene Welt.

Es gibt neuen Boden unter den Füßen, das Vertrauen in Gott erhält einen festen Grund. Von diesem Berg aus soll jetzt alles wieder in Gang kommen, das Leben darf neu beginnen, der Mensch die Schöpfung in einem zweiten Anlauf in Besitz nehmen.

Möglicherweise fragen wir uns ja mit Noah:
ü
berlebt — wozu? Und jetzt?

Wie soll es weitergehen?

Mit dem ersten Schritt:

Auf Geheiß Gottes — erst dann! — verlässt Noah die Arche, diesen schützenden Raum auf Zeit.

Und als Erstes tut er etwas Lebensnotwendiges:
Er dankt Gott.
Er dankt IHM, indem er einen Altar baut und opfert.

Das nachfolgende Selbstgespräch Gottes, gewährt uns dann einen Einblick in die Tiefen von Gottes Wesen: „Ich will ferner nicht noch einmal den Erdboden verfluchen um des Menschen wegen, denn das Gebilde des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an.“
— also von dem Zeitpunkt an, wo der Mensch seine eigenen Entscheidungen trifft, sein eigener Herr sein will.

Wenn Menschen sich selbst der Mitte bemächtigen, ihr eigener Dreh- und Angelpunkt sein wollen, verstricken sie sich unentrinnbar in Schuld.

Das Tröstliche aber ist: Gott überlässt uns Menschen nicht uns selbst. Er geht uns nach, er sucht uns, er beruft uns — und er zeigt uns die Grenzen unserer Geschöpflichkeit. Aber: er hält sie uns nicht vor.

Hier auf dem Ararat schließt Gott mit Noah den Ersten Bund, den die Bibel berichtet. Einen Bund, die Erde nicht mehr zu vernichten, und das ohne jedes Einfordern von Gegenleistungen.

Wenn das nicht ein Grund zur Hoffnung ist!

Als Zeichen der Liebe und Treue Gottes gegenüber seiner Schöpfung soll fortan der Regenbogen erstrahlen wie ein zarter vielfältig farbiger Pinselstrich.

Der Mensch hat sich nicht geändert, er ist weiterhin äußerst fehlerbehaftet — mit jedem Blick in die Nachrichten sehen wir das — aber die Haltung Gottes hat sich gewandelt.

Gott begegnet uns immer wieder als ein Gott, den wir nicht begreifen können, der uns aber gerade darin mit seiner ganzen Liebe begegnet.

Gott sagt JA zur zweitbesten aller möglichen Welten. Er gibt ihr seine Erhaltungsgarantie.

Der Bestand der Erde soll nicht noch einmal abhängig sein vom Handeln des Menschen, denn Gott gibt ein Versprechen hinsichtlich seines Handelns.

Wir haben nicht mehr die Welt, wie sie von Gott aus ursprünglich sein sollte, es ist aber auch nicht die Welt, wie sie heute nun einmal ist, sondern eine Welt, wie sie in Gottes Augen sein kann, wenn wir seine Gebote beachten.

Gott resigniert nicht vor unseren Realitäten, er will, dass wir leben, obgleich er unsere Abgründe kennt. Aus Liebe zu uns Menschen schafft er eine verlässliche Grundlage für gelingendes Leben.

In der Auseinandersetzung um die Frage nach dem größten Gebot erklärt Rabbi Akiba das Gebot der Nächstenliebe zum wichtigsten Prinzip.

Dagegen sieht Ben Asai ein noch umfassenderes Gebot in den Worten: „Am Tage, als Gott den Menschen erschuf, erschuf er ihn nach dem Bilde Gottes.“

Ja, so ist es wohl.
Denn in diesem einen Vers ist die Gottesebenbildlichkeit eines jeden Menschen festgehalten:

Der Ur-Grund für die nicht teilbare Menschenwürde.
Und die Begründung für die Maßstäbe unseres Umgangs mit allen Menschen — gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Orientierung oder Religion.

Größte Auszeichnung und stärkste Zumutung sind hier untrennbar miteinander verbunden.

Auch die Hoffnung ist unteilbar.
Wenn wir glauben, sie exklusiv besitzen zu können, wird sie uns unter den Fingern zerrinnen.

Auch die Menschen, die sich zu uns flüchten, müssen hoffen dürfen. Sie müssen die berechtigte Hoffnung haben dürfen, dass auch sie teilhaben können an einem Leben in Sicherheit und in Frieden und mit einer Zukunft.

Wie gehen wir miteinander um? Und wie sehen wir einander an?

GOTT sieht uns mit barmherzigen Augen an.
Welch unbegreiflicher Grund zur Hoffnung!

Und er schenkt weiterhin dieser zweitbesten aller möglichen Welten seine unverbrüchliche Liebe.

Wir sind wer!
Wir sind wunderbare Einzelstücke, unverwechselbare Originale.
Mehr können wir gar nicht werden, als Gottes geliebte Kinder.

Diese Aussage gilt allen Menschen — gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Orientierung oder Religion.

Der dreieinige Gott schenkt uns Hoffnung und
Zukunft und gelingendes Leben — auch im täglichen Miteinander. AMEN.

 

Prädikant Niels Rusch, Gomadingen

niels.friluftsledare[at]t-online.de

 

 

 

Pfarrerin Marlies Haist

Pfarrerin Marlies Haist

Berg der Erprobung - Morija (1 Mose 22)

 

Pfr.in Marlies Haist

Sommerpredigtreihe 2015 im Distrikt Münsingen-Mehrstetten, Berggeschichten in der Bibel 

 

Liebe Gemeinde!

Die Kirchen im Lautertal sind oft auf dem Berg; in Hundersingen befinden wir uns auf dem Burgberg. Die Sommerpredigtreihe steht dieses Jahr auch unter dem Motto „Berg-Predigten“. Verschiedene Berg-Geschichten der Bibel werden ausgelegt: Vom Berg Sinai (oder Horeb genannt) bis zum Berg der Verklärung, dem Tabor.

Der Berg, den ich mir vorgenommen habe, ist zwar nicht besonders hoch, heute führen zwei Zugänge dort hin, aber seine Geschichte ist so steil wie die biblische Geschichte, die von dem Gelände erzählt wird. Der Name:

MORIJA: Gott, der HERR lässt sich sehen.

Morija ist ein Land in der steilen Erzählung, die heute im Mittelpunkt steht, wo etwas Unfassbares geschehen soll und doch nicht geschehen darf. Später heißt es, dass König Salomo auf Morija den ersten Tempel erbauen wird.

„Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein“ (1. Mose 12,2).                    Dieses Segenswort ist ein Hinweis auf das, was Gott im Fortgang einer beispielhaften Familiengeschichte alles Wirklichkeit werden lässt: Er kann Leben erwecken, wo alles abgestorben erscheint, Hoffnung schenken, wo es nach menschlichem Ermessen gar nicht weiter geht, Zukunft, wo Menschen mit allem abgeschlossen haben.

Dieser Segen aus dem Ersten Mosebuch galt einem Menschen, der bis heute durch die Schriften des Neuen Testaments als Beispiel eines gläubigen Menschen gilt, der Gott gehorcht und nicht den Menschen: Abraham.

Das Gelände namens Morija, der spätere Tempelberg in Jerusalem, ist bis heute mit Abraham verbunden und daher mit der Stadt Jerusalem für alle drei Buchreligionen (Judentum, Christentum, Islam) sehr bedeutsam. 

Alle so genannten Abrahamitischen Religionen berufen sich auf Abraham, der mit seiner Frau Sarah lange auf Nachwuchs wartete:

Juden berufen sich auf Isaak, den jüngeren Sohn Abrahams, der ihm und seiner Frau Sarah nach der Verheißung geschenkt wurde.

Muslime berufen sich auf Ismael, den älteren Sohn Abrahams mit der Magd und Leihmutter Hagar.

Die Westmauer des Herodianischen Tempels, den Jesus zu den großen Festen seit seiner Jugend besuchte, ist für viele jüdische Frauen und Männer ein wichtiger Ort des Gebets.

Im Islam ist Jerusalem inzwischen neben Mekka und Medina der drittwichtigste Pilgerort. Im Koran wird von einer nächtlichen Reise des Propheten Mohammed von Mekka zu einer „fernen Kultstätte“, die mit Jerusalem identifiziert wird, erwähnt. Seit Jahrhunderten stehen dort der Felsendom und die El-Aqsa-Moschee.

Uns Christenmenschen ist Abraham lieb und vertraut, weil er sich immer auf Gott verlassen hat. Der Apostel Paulus schreibt, dass Abraham vor Gott gerecht ist, weil er geglaubt hat. Im Glauben sind wir Abrahams Kinder.

Nicht das, was wir alles tun und was wir alles können, macht uns zu Gottes Kindern, sondern allein der Glaube.

Morija – Tempelberg – Jerusalem – Steine des Anstoßes. Ein Ort, der Abrahams Kinder verbinden sollte, der aber immer wieder Schauplatz von Unruhen ist.

Dieser Berg Morija ist laut dem Ersten Buch Mose Schauplatz einer der schwierigsten Geschichten der Bibel. Wenn wir sie an uns heranlassen, stockt uns der Atem.

Sie ahnen sie vielleicht schon, die Geschichte, um die ich immer noch herumrede. Sie wird den meisten von Ihnen / von Euch bekannt sein. Ich lese den heutigen Predigttext aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 22:

à Nennen wir die Sache doch endlich beim Namen! Und da fängt es schon an: Wie heißt die Geschichte? Die „Opferung Isaaks“! Aber er wird doch gar nicht geopfert. Darum heißt sie in der jüdischen Tradition auch ganz zurückhaltend: die „Bindung Isaaks“.

Wie immer die Geschichte heißt –was steckt dahinter? Was hat der Eine Gott, auf den Abraham traut, vor?

Nicht nur für christliche Eltern und Erziehende ist diese biblische Erzählung schwer zu vermitteln, auch für jüdische. Dennoch ist sie auch in Kinderbibeln abgedruckt, z. B. in meiner Neukirchner Bibel. Eine jüdische Kinderbibel beschreibt die Vorgeschichte sehr einfühlsam. Wie bei Hiob wird hier der Satan eingeführt als treibende Kraft, das ist eine von vielen Auslegungstraditionen. Denn wie kann Gott selbst  hinter der Versuchung Abrahams stecken?

Was Gott hier von Abraham verlangt, seinen liebsten Sohn zu opfern: Ist das nicht unmenschlich? Und Abraham selbst: Er gehorcht einfach, oder besser: sicher ganz und nicht einfach.

Doch: Es ist ja gar nichts passiert, der Albtraum geht zu Ende, nur ein Mensch weiß, was hätte geschehen sollen. Sarah bleibt wohl ahnungslos (nicht aber in den mündlichen Erzählungen der jüdischen Tradition).

Und der Sohn, das baldige Opfer: Ahnt der etwas davon, dass es um ihn gehen soll? Auf seine besorgte Frage, wo denn das Opfertier sei, antwortet der Vater:

 „Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer“. Abraham hat mit seinen Worten Recht behalten.

Was in Abraham wohl vorgeht?

 „Nimm deinen einzigen Sohn, den du lieb hast“, sagt Gott zu Abraham. - Welchen?

Hatte Abraham nicht auch den Erstgeborenen lieb, den Ismael, der Sohn Hagars, der Magd, den er selbst – Sarah zuliebe – in die Wüste geschickt hatte?

Einen Sohn, seinen ersten, hat Abraham also schon verloren. Als einziger bleibt ihm und seiner Frau Sarah Isaak, in dessen Namen das Lachen steckt: Denn Sarah lachte, als die drei Fremden dem gealterten Paar den lang ersehnten Nachwuchs ankündigten.

Die einzige Hoffnung, dieses Kind. Isaak ist wohl den Kinderschuhen entwachsen, nicht mehr der kleine Isaak, den Sarah und Abraham jahrzehntelang ersehnt haben. Denn ihr Gott hat Abraham Nachkommen verheißen – so zahlreich wie Sand am Meer, unzählig wie die Sterne. Und Sarah hat ja mit der Magd ganz praktisch nachgeholfen.

Patchwork-Familien und Leihmütter gab es schon damals. Diese Beinahe-Opfer-Geschichte tut weh.

Dieses Kind Isaak steht für die vielen Kinder, die zum Opfer werden. Auf vielen Schulhöfen ist das ja ein neues Schimpfwort: „Du Opfer!“ Was soll damit ausgesagt werden? Isaak steht für die vielen Kinder dieser Welt, die schwer erkranken oder nicht lange das Licht dieser Welt erblicken dürfen. Was macht das mit Eltern und Geschwistern …

Dieses Kind steht für die vielen Kinder, die irgendwo auf der Welt, von menschlichen Mächten geopfert werden, auf welchen Altären und welchen Göttern auch immer: als Erfüllungsgehilfen für Wünsche, die Erwachsene in ihnen sehen wollen, als Arbeitssklaven und Kindersoldaten, als Zankapfel hin- und her gerissen, manche verwöhnt und gleichzeitig vernachlässigt; immer wieder erfahren Kinder Gewalt und Missbrauch von Erwachsenen, immer wieder werden sie als Kanonenfutter verheizt; unzählige sind auf der Flucht.

Ist diese Geschichte wirklich so abwegig? Doch hier ist es Gott, der das Unsägliche verlangt: „Opfere ihn dort!“

Isaak – die einzige Hoffnung liegt auf diesem Kind. Gott hat es versprochen, Gott hat es geschenkt. Und jetzt soll Abraham sein Liebstes aufgeben, es eigenhändig töten!

So radikal ist seine Hingabe an Gott, der ihm immer nahe war, dass er nicht widerspricht. Wo ist hier seine Vaterliebe? Ahnt Sarah etwas?

Das Äußerste ist nicht geschehen, doch diese Erzählung fordert uns heraus.

Hier ist ein Kind – Lebensinhalt und einzige Hoffnung seiner Eltern, nicht nur bei Abraham und Sarah: neues Leben, Zukunft. Das Kind in der Krippe haben wir vor Augen – Jesus, der ewiges Leben für uns bereit hat.

„Der seines einzigen Sohnes nicht verschont hat“, lesen wir im Neuen Testament; in der Passionszeit wird oft die Zeile gesungen: „vom Vater schwer geschlagen“.

Was ist das für ein Gott?, fragen sich viele Zeitgenossen, Gläubige und nicht Gläubige.

Wie andere biblische Geschichten hat auch diese mehrere Bedeutungen, auf verschiedenen Ebenen.

- Zum Einen, was die Religionsgeschichte betrifft: Zu der Zeit der Erzeltern waren Menschenopfer noch gang und gäbe. Die Propheten prangerten diese Praxis öfter an, z. B. Jeremia hörte die Schreie der Kinder, die dem Gott Moloch geopfert wurden und klagte an.

Jahrtausende lang meinten die Menschen, dass sie die Gottheit nur mit einem Menschenopfer zufrieden stellen könnten. Die „Bindung Isaaks“ kann einen Wendepunkt in der menschlichen Kultur andeuten.

Wie sieht das heute aus? Wem oder was werden Opfer gebracht? Dem Fortschritt?

In der ganzen Heiligen Schrift heißt es: Gott braucht keine Opfer! „Dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder…“

- Auf der zwischenmenschlichen Ebene muss sich Abraham fragen – und auch Sarah: Habe ich mein Kind lieb als eigenes Wesen oder brauche ich es nur zur Erfüllung meiner eigenen Wünsche?

Wenn ein Kind heranwächst, entdeckt es immer neue Kreise und Zusammenhänge und jeder Abschnitt bedeutet für die Eltern, dass sie ihr Kind immer wieder ein Stück loslassen müssen in die Selbständigkeit, wo sie immer weniger Einfluss haben werden: in die Obhut des Kindergartens, dann in die Schule, auf Ausflüge und Freizeiten – und schließlich wird sich das flügge gewordene Kind ganz abnabeln und einen eigenen Lebenskreis gründen.

- Auf der Ebene des Glaubens kann diese Erzählung bedeuten, dass Gott uns immer wieder herausfordert, etwas unter Schmerzen loszulassen, was uns das Liebste ist, um uns aus reiner Liebe auf neue Wege zu führen. Damit wir Gott ganz anders begegnen in dieser und der kommenden Welt. Das ist Gehorsam: den Weckruf hören, in die Nachfolge hinein.

Halten wir uns an die helle Seite Gottes, die uns liebevoll zugewandt ist, wie Abraham und Sarah sie vor und nach dieser Krise erlebten und wie sie uns in Christus begegnet! Er gab sich hin, damit wir leben: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Amen. 

Pfr.in Marlies Haist, Buttenhausen, ab Sept. 2016 Albstadt, Thomaskirche
marlies.haist[at]elkw.de

 

 

Pfarrer Thomas Lehnardt

Pfarrer Thomas Lehnardt

Berg der Entscheidung – Karmel (1 Könige 18,17-40)

 

Pfr. Thomas Lehnardt, Münsingen

Sommerpredigtreihe 2015 im Distrikt Münsingen-Mehrstetten, Berggeschichten in der Bibel

 

Plötzlich, wie aus heiterem Himmel steht er vor mir, der Elia, dieser Mann Gottes. 

Unverkennbar mit seinem weiten, zotteligen Fellmantel und der ledernen Hose, den wilden Haaren und dem rauschenden Bart. Wer ihn einmal erlebt hat, vergisst ihn so schnell nicht mehr. So einen Boten Gottes hat es in Israel bisher nicht gegeben. Aus Tischbe drüben im Ostjordanland stammt er. Gottesfürchtige Eltern wird er gehabt haben, jedenfalls wenn man seinem Namen glauben darf: Elijahu JHWH ist Gott. Zu unseren Zeiten will das etwas bedeuten.

Aus einer guten Familie stammt er, aber jetzt zieht er umher und lebt von dem, was er in der Natur findet und was die Leute ihm geben. Mal erscheint er hier, mal tritt er dort auf. Auch am Königshof hat er schon eine Szene gemacht.

 

Das war vor mehr als zwei Jahren. Da ist der Mann Gottes einfach zum König hineingegangen und hat ihn zur Rede gestellt, wegen des Tempels, den König Ahab für seine Frau Isebel gebaut hat. Eigentlich ist der Ahab ja ein kluger König. Er hat unser Königreich Israel wieder zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Überall entstehen neue Festungen. Der Frieden bringt Geld und Wohlstand ins Land – jedenfalls für viele. Meggido liegt gar nicht weit von hier. Darin ist Platz für die modernen Streitwagen. Ihr könnt die Ställe heute noch bewundern. Auch seinen Palast in Samaria hat er prächtig ausbauen lassen. Seine kluge Bündnispolitik mit den Nachbarn hat dazu beigetragen, dass wir seit Jahren in Frieden und Wohlstand leben. Eine geschickte Heiratspolitik gehört seit jeher auch dazu. So hat er die Königstochter Isebel aus Sidon zur Frau genommen.

 

Nur dass er der Isebel einen eigenen Tempel für ihren Gott, den Baal gebaut hat. Hätte es nicht auch gereicht, wenn der König einfach nur eine Statue ihres Gottes in einem Trakt seines Palastes aufgestellt hätte – wie König Salomo das getan hat. Naja und seine Frau, die Isebel ist auch nicht gerade sehr zurückhaltend. Sie spürt den Widerstand am Hof und besonders im Volk gegen ihren Gott, den Baal, von denen, die an JHWH, dem Gott Israels festhalten wollen. Alle Propheten des Gottes Israels hat sie vom Königshof vertreiben und teilweise umbringen lassen. 100 von ihnen konnte ich heimlich in zwei Höhlen verstecken. Ich bin ja auch eher auf der Seite der Anhänger des Gottes Israels. Diener des JHWH – Obadja – so lautet mein Name und das ist für mich Programm, auch wenn ich ein treuer Diener meines Königs bin. Kanzler würdet ihr meine Rolle am Hof in Euren Worten wohl nennen.

 

Und da steht er nun vor mir dieser Elia und ich bin mächtig erschrocken.

 

Drei Jahre hat Ahab ihn suchen lassen, nachdem der Elia einfach zu ihm hineinspaziert ist und ihm das Wort Gottes verkündigt hat: Es soll in diesen Jahren weder Tau och Regen geben solange bis ich es wieder sage.

Als Regenmacher ist er ja bekannt im Land, der Elia, aber so ernst hat das zunächst niemand genommen. Zu alternativlos erscheinen die Zwänge der Realpolitik als dass man sich da nach den Vorstellungen eines solchen religiösen Spinners richten kann, haben manche am Hof gesagt.

Aber als es dann wirklich im Herbst nicht begonnen hat zu regnen und als den ganzen Winter kein Regen fiel, da hat Ahab seine Leute los geschickt, Elia zu suchen. Im ersten Jahr ging es ja noch. Da waren die großen Kornspeicher noch gefüllt und die Brunnen noch nicht versiegt. Aber jetzt im dritten Jahr nach dem zweiten Winter ohne einen Tropfen Regen ist die Not groß. Nicht nur die Bevölkerung bekommt das zu spüren, jetzt muss der König auch um seine Macht fürchten. Die Pferde und Maulesel seiner Garnison haben kein Futter mehr. Deswegen hat er mich losgeschickt zu suchen, ob sich in dem trockenen Land nicht noch irgendwo etwas Wasser findet, es etwas Grünes wächst hier unten am Fuß des Karmel nicht weit von seiner Garnison Megiddo entfernt.

 

Und da steht er nun vor mir, der Prophet Elia, der das alles ausgelöst hat, und vor Schrecken falle ich vor ihm nieder:

 

„Bist du es nicht Elia, mein Herr?“

 

„Ja! Gehe hin und sage deinem Herrn: Siehe, Elia ist da!“

 

Darauf haben wir drei Jahre gewartet, darauf haben wir gewartet, dass der wieder auftaucht, der allein im Namen Gottes die Dürre beenden kann – aber wenn er sich jetzt einfach wieder aus dem Staube macht, dieser Mann Gott, wenn er vom Geist Gottes woanders hin getrieben wird, dann geht es mir an den Kragen. Der König versteht da keinen Spaß. Aber Elia wischt alle meine Einwände beiseite:

 

„So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe: Ich will mich Ahab heute zeigen.“

 

Der König Ahab ist schnell gefunden, weit ist er noch nicht gekommen und zu meiner Überraschung macht er sich sofort persönlich auf, Elia zu treffen. Die Not der Stunde kennt kein Hofprotokoll.

 

„Bist du nun wieder da, du Verderber Israels“, begrüßt der König den Propheten. So undiplomatisch redet man doch nicht, wenn man auf die Hilfe und das Wohlwollen des anderen angewiesen ist, schießt es mir durch den Kopf, aber als Kanzler kann man seinen Chef nicht alle Worte in den Mund legen.

 

„Nicht ich, du hast Israel ins Verderben geführt, indem du aus politischem Kalkül die Verehrung fremder Götter zugelassen und gefördert hast. Ich mache dir einen Vorschlag: Versammle die 450 Propheten des Baal hier auf dem Karmel und hole das Volk als Zuschauer dazu.“

 

Der König stimmt diesem Vorschlag zu. Die Not muss wirklich groß sein, dass mein König sich auf eine solche Inszenierung einlässt. Man weiß ja nie, was dabei herauskommt, wenn eine solch große Menschenmenge zusammenkommt. Aber Ahab veranlasst alles, die Propheten des Gottes seiner Frau hier auf dem Karmel zusammenzurufen. Und auch das Volk kommt gespannt, was denn da geboten wird. Mir ist das nicht ganz geheuer, aber ich tut natürlich, was meine Herren von mir verlangen für das große Showdown hier oben auf dem Karmel. Einen weiten Blick hat man an klaren Tagen den steilen Hang hinab in die Jesreelebene bis hinüber zu den Golanhöhen und dem manchmal schneebedeckten Hermon im Osten. Sogar das Meer im Westen kann man über den Höhenzug im Dunst erkennen. Heute ist so ein klarer Tag, ein Tag der Klarheit vielleicht auch.

 

„Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der Gott Israels Gott, so folgt ihm nach, ist’s aber Baal, der Gott der Phönizier, so folgt ihm nach!“ mit diesem überraschenden Bild wendet sich Elia zunächst an das Volk. Als Prophet des Gottes Israels allein gegen 450 Propheten des Baal, jetzt treibt es Elia auf die Spitze.

 

„Gebt uns zwei junge Stiere und lasst sie einen davon auswählen und ihn zerlegen und als Opfer auf einen Stoß Holz legen, aber kein Feuer daran machen. Dann will ich mit den anderen Stier dasselbe machen. Ihr ruft den Namen eures Gottes an, ich aber will den Namen des Gottes Israels anrufen. Welcher Gott nun mit Feuer antwortet, der ist der wahre Gott.“

 

Das Volk stimmt diesem Götterwettstreit zu – und ahnt noch nicht, was geschehen wird.

 

Die Baalspropheten bereiten ihren Stier zu und rufen zu ihrem Gott von Morgen bis zum Mittag: „Baal, erhöre uns!“ Aber es war keine Antwort zu hören. Dabei hinken sie tanzend um den Altar.

Als um die Mittagszeit immer noch keine Antwort zu hören ist, verspottet sie Elia: „Ruft lauter! Denn er ist ja ein Gott; vielleicht ist er in Gedanken versunken oder er hat zu schaffen oder er ist übers Land gefahren oder er schläft vielleicht sogar, dass er endlich wach wird.“ Bitter trifft die Propheten dieser Spott teilen sie doch die Vorstellung dass der Fruchtbarkeitsgott sich in der Zeit der Dürre im Sommer wirklich zum Schlaf zurückzieht und erst im Herbst wieder aufwacht, wenn nach dem ersten Regen das Land wieder grün wird. In ihrem wilden Tanz ritzen sie sich bis das Blut fließt, doch eine Antwort bleibt aus. Baal schweigt. Baal scheint machtlos.

 

Gespannt verfolgt das Volk nun, was jetzt geschehen wird.

 

Elia nimmt zwölf unbehauene Steine und schichtet sie auf zu einem Altar. Für jeden der zwölf Stämme Israels einen. Ihr könnt den Altar heute noch in Muchraka auf dem Karmelgebirge anschauen. Und nachdem er das Holz zum Opfer aufgeschichtet hat und den Stier zerlegt auf das Holz geschichtet hat, lässt er zwölf Eimer Wasser über das angerichtete Opfer gießen, als wolle er es unserem Gott besonders schwer machen. Das Wasser läuft den Altar hinunter und füllt den Graben, der er um den Altar hat ausheben lassen.

 

Als es Zeit für das Speiseopfer ist tritt Elia an den Altar und spricht: „JHWH, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass heute offenkundig werden, dass du Gott in Israel bist und ich dein Knecht und dass ich alles nach deinem Wort getan habe! Erhöre mich, Herr, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, Herr, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst!“

 

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fällt das Feuer herab und entzündet das Holz, es frisst das Brandopfer und das Holz, sogar die die Steine und die Erde und es leckt das Wasser auf im Graben.

 

Vor Schrecken fallen wir alle Volk und König und ich, auf unser Angesicht und bekennen: „JHWH der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!“

 

König und Volk Israels bekennen sich nach dieser eindrücklichen Inszenierung der Macht unseres Gottes und seines Boten wieder zu ihrem Gott – das ist für mich bleibend mit diesem Ort auf dem Berg Karmel verbunden. Bis in eure Zeit hinein pilgern Menschen an diesen eindrücklichen Ort und beten um sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes in dieser uneindeutigen Welt. Die zwölf Steine unter der Altarplatte in der Klosterkirche der Karmeliten erinnern an das, was damals als machvolles Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk und in seiner Welt erlebt wurde.

 

Ob es wirklich nötig war die Propheten des Baal unten am Bach Kischon zu töten, damit der Gott Israels als einziger verehrt wird, ich weiß das heute nicht so recht. Ich habe den Eindruck, unser Glaube gewinnt durch solche Gräueltaten nicht wirklich an Überzeugungskraft. Aber wir miteinander haben lange gebraucht, um das zu lernen. Glaube lebt aus meinem Bekenntnis zum lebendigen Gott und nicht aus der Abwertung andere Glaubenshaltungen.

 

Wie leben spendend unser Gott Israels sein kann hat Elia uns dann noch erleben lassen. Noch bevor es Nacht wurde hat er sich sieben Mal tief ins Gebet versenkt und Gott um Regen gebeten. Wir konnten es kaum glauben. Sechsmal kam sein Knecht von der Höhe herab, von der er aufs Meer sehen konnte. Erst beim siebten Mal erbarmte sich der Herr und schickte den lang ersehnten Regen. Eine Wolke geballt wie eine Faust war am Horizont zu sehen und bald floss das Wasser wie in Sturzbächen. Das Land brauchte lange um sich von der Dürre zu erholen.

 

Pfr. Thomas Lehnardt, Referent beim Dekan in Münsingen
thomas.lehnardt[at]elkw.de

 

 

Woher kommt mir Hilfe? (Psalm 121)

 

Pfr.in Daniela Janke, Böttingen

Sommerpredigtreihe 2015 im Distrikt Münsingen-Mehrstetten, Berggeschichten in der Bibel

  

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Ich lese Psalm 121:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

 

Berge, liebe Gemeinde, sind uns hier auf der Alb nicht fremd. Und ich glaube, jeder lässt sich in Bann nehmen, wenn man bei klarer Sicht von der Höhe aus die Alpen sehen kann.

Als ich das das erste Mal gesehen habe, habe ich hier schon einige Zeit gelebt, aber dieser Anblick hat mich einfach nur staunen lassen. Ich konnte gar nicht gleich begreifen, wo mit einem Mal diese wunderschönen Höhenzüge der Alpen herkamen.

Das war einfach unglaublich, beeindruckend.

Aber auch anders herum kann es wunderschön sein: Wenn man auf einen hohen Berg steigt und dann von oben eine traumhafte Sicht genießen kann. Ich habe dieses Vergnügen in diesem Jahr in meinem Urlaub oft genießen können. Ich war im Südschwarzwald und da gehört die Wanderung auf den Feldberg oder den Schauinsland natürlich dazu – und dann auch noch bei relativ klarer Sicht, das war einfach herrlich!

Andererseits sind für die weniger Sportlichen diese Berge oft genug Anlass zum Stöhnen und womöglich zum Scheitern. Ich muss auch gestehen, dass da schon jede Menge Schweiß geflossen ist, bis ich oben war.

Und so haben Berge zwei Seiten. Auch in der Bibel.

Im 121. Psalm, über den ich heute gerne mit Ihnen nachdenken möchte, ist beides enthalten: das Erschreckende der Berge - und das Heilende.

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

So beginnt der Psalm. Der Psalmbeter sieht, als er seine Augen aufschlägt einen großen Berg vor sich. Und der ist für ihn unüberwindbar, er lässt ihn zurückschrecken. Was es für ein Berg ist - darüber wird uns nicht berichtet. In der Bibel wird uns ja von einigen Bergen berichtet, die Erschrecken und Zurückweichen auslösen – wenn Sie die Sommerpredigtreihe verfolgt haben, dann haben Sie vermutlich auch die ein oder andere Predigt darüber gehört.

Da ist zum Beispiel der Berg Morija, auf dem Abraham seinen einzigen Sohn Isaak opfern sollte. Gott hatte das von ihm als Beweis seiner Treue gefordert und erst in allerletzter Minute ist er davon abgerückt als er gesehen hat, dass Abraham sogar dazu fähig und bereit gewesen wäre.

Oder der Sinai, der Feuer und Rauch spuckte und dem sich außer Mose niemand nähern durfte als dieser hinaufstieg und oben die 10 Gebote erhielt.

Und auch der Berg Zion, der den Bergrücken in Jerusalem bezeichnet, auf dem Salomo seinen Tempel baute, war durchaus ein Berg, vor dem David, bevor er ihn eroberte, Respekt hatte.

Zugleich sind die Berge aber immer auch Orte der Gottesbegegnung in einem guten Sinne und - wie wir in der Schriftlesung gehört haben - Orte an denen Wesentliches gesagt wird, wie z.B. die Seligpreisungen.

 

In den vorchristlichen Zeiten des Psalmbeters gab es auch viele heidnische Kultstätten fremder Götter auf den Bergen. Auch auf diese Berggötter könnte sich die Frage des Psalmbeters beziehen: Ich wandere durchs Tal und hebe meine Augen zu den Bergen auf. Wird irgendeiner dieser Götter, die auf den Bergen wohnen und dort verehrt werden, mir in der Not helfen können? Und die Antwort ist: Nein, diese fremden Götter werden mir nicht helfen, denn sie sind Götzen. Meine Hilfe kommt von Gott, der nicht auf einem einzelnen Berg wohnt, sondern von Gott, der größer ist als alle Berge und Täler, der nämlich Himmel und Erde gemacht hat. Gott, der Schöpfer der Welt, er wird auch den kleinen Menschen, den Wandersmann oder die Frau, die unterwegs ist, sein Geschöpf inmitten der großen Weite seiner Schöpfung beschützen.

 

Die Berge in der Bibel sind Orte, an denen man Gott suchte, sich ihm näher fühlte, es sind Orte, an denen sich Gott offenbarte – die aber auch abschreckend sein konnten.

Die Zweideutigkeit, die wir mit den Bergen in der Bibel verbinden, spiegelt sich wieder in den verschiedenen Arten, auf die wir oftmals Gott in unserem Leben erfahren. An manchen Tagen ist er der unnahbare, ferne, unbegreifliche Gott, der Unglück und Krankheit scheinbar tatenlos zulässt. An anderen Tagen fühlen wir uns von ihm geliebt, bei der Hand genommen und gestärkt

 

Und so ist auch der Wanderer des 121.Psalms, der, wie man vermutet, gerade auf dem Weg zum Tempel nach Jerusalem ist, durchaus zwiegespalten, was seine Erwartungen bezüglich dessen, was da auf ihn zukommt, angeht.

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Und er fragt eher besorgt: Woher kommt mir Hilfe?

Natürlich ist es nur ein Aspekt, dass die Wanderung nach Jerusalem und dort schließlich auf den Tempelberg durchaus anstrengend sein kann.

Doch schwingen in der Frage noch andere Ängste und Sorgen mit:

Der Berg erinnert den Wanderer an all die Dinge in seinem Leben, die sich ebenfalls wie Berge vor ihm aufgetürmt haben.

Das kennen wir auch, wenn wir auf unser Leben schauen. Und manches - erstaunt uns im Rückblick – manches stand wie ein unüberwindbarer Berg an Sorgen, Problemen und Herausforderungen vor uns und wir haben es doch bewältigt.

Vielleicht ist auch der große – eigentlich nicht zu fasende Strom an Flüchtlingen so eine Herausforderung für uns, die wie ein großer, nicht zu bewältigender Berg vor uns steht, die uns vielleicht auch mit Angst und Befürchtungen erfüllt. Auf die wir aber eines Tages zurück schauen können, froh und dankbar, es in kleinen Schritten gemeistert zu haben.

 

Woher kommt mir Hilfe? fragt der Wanderer. Wie kann ich das alles bewältigen?

Woher nehme ich den Mut, jetzt loszuschreiten, mich loszumachen und zu gehen?

Er zögert. Die Berge stehen ihm zu mächtig vor Augen.

Und wir können es diesem Mann nachfühlen: Das ist doch auch wirklich der schwerste Augenblick: erst einmal loszugehen, einen Berg anzugehen. Denn natürlich weiß ich nicht, was mich an Entbehrungen erwartet, an Rückschlägen. Wäre es nicht besser einfach zu Hause zu bleiben, sich zurückzuziehen in das Vertraute, Bekannte, Ausprobierte? Wir neigen dazu, den Bergen auszuweichen.

Vielleicht ist es auch die Angst, es einfach nicht zu schaffen, eingestehen zu müssen, sich zu viel vorgenommen zu haben.

Die unterschiedlichen Erfahrungen, die wir mit Bergen machen können, weisen auf die zwei unterschiedlichen Möglichkeiten hin, wie wir mit Bergen, die sich vor uns aufbauen umgehen können. Denn das ist doch die Frage, die sich uns stellt, bei allen Bergen unseres Lebens und allen Steinen, die wir überwinden und aus dem Weg räumen müssen, mit welcher grundsätzlichen Einstellung wir ihnen begegnen wollen:

Wollen wir diesen Berg, dieses Überwinden dessen, was da vor uns liegt, als etwas völlig Sinnloses sehen, was nur belastet und stört und völlig sinnlos unsere ganze Kraft herausfordert?

Etwas, was ganz und gar nicht zu unserem Leben dazu gehören sollte?

Oder wollen wir sie als nicht wegzudenkende Aspekte unseres Lebens begreifen und in ihnen schlichtweg unsere Lebensaufgaben sehen?

Können wir es für unser Leben annehmen, dass es eben im Normalfall gerade nicht flach und geradlinig verläuft, sondern dass sich wie auf der Wetterkarte Hochs und Tiefs abwechseln, dass es das Unangenehme und Sperrige, das Atemberaubende und in die Kniezwingende gibt, und dass wir gerade darin den Sinn suchen müssen, der darin steckt?

 

Und wer schon einmal auf einen hohen Berg gestiegen ist und am Ende erschöpft am Gipfelkreuz Platz genommen hat, der weiß, dass es da einen engen Zusammenhang gibt zwischen Entbehrung und Hochgefühl, zwischen Leid und überschäumender Freude!

Wer also den Bergen seines Lebens davonläuft, wer versucht sich irgendwie davonzuschleichen oder sich einzuigeln der geht nur vermeintlich den leichteren Weg. Er beraubt sich selbst aber vor allen Dingen der Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Potentiale in sich zu entdecken, die er bis dahin gar nicht kannte.

 

Und deshalb geht es im 121 .Psalm in erster Linie auch darum Mut zu machen, den Aufbruch zu wagen, die sinnbildlichen Berge anzugehen.

Dazu gehört zuallererst sich selbst noch einmal daran zu erinnern, dass man auf diesem Weg nicht allein ist, sondern dass da Hilfe ist. Und so macht sich zunächst der Wanderer einmal selbst Mut und schärft sich ein:

„Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Hilfe also von dem, der diese Welt geschaffen hat und in seinen Händen hält. Der somit auch die Berge geschaffen hat und die Täler und die Höhen und Tiefen dieser Welt und unseres Lebens.

Hilfe von dem, der gesagt hat: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen –

aber meine Gnade soll nicht von dir weichen.

 

Und das soll gerade auch für mich gelten? höre ich als weitere Frage heraus. Der große und allmächtige Schöpfer - der hilft auch mir, der ich so klein und unbedeutend bin, wie ein Mensch nur sein kann?

Und dann schaltet sich eine andere Stimme in dieses Psalmgespräch ein. Ist es ein mitlaufender Pilger oder ist es vielleicht sogar ein Priester, der auf die Fragen des Gläubigen antwortet?

Jedenfalls erhält der Wanderer eine Antwort und wird an die Gnadenzusage Gottes erinnert: Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

 

Und dann beschreibt er mit einem wunderbaren Bild die grenzenlose Zuneigung und Fürsorge Gottes, die uns ja auch ganz ähnlich und einprägsam von Kind auf mit den Worten des 23. Psalm nahegelegt worden ist:

Der HERR behütet dich;

der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

 

Gott als mein Schatten. Das ist für mich eines der schönsten Bilder für Gottes Nähe und Begleitung, weil es nichts in dieser Welt gibt, was mir näher wäre als allein mein Schatten. Ihn werde ich nicht los. Ich kann noch so schnell rennen, ich kann straucheln und stolpern, ich kann flach auf dem Boden liegen oder hoch in die Luft springen: der Schatten bleibt. Der Schatten bleibt - eben auch, wenn ich einen Berg besteige, den ganzen Weg hinauf und auch wieder den ganzen Weg herab.

Ich bin nie allein. Mein Schatten bleibt unzertrennlich mit mir verbunden. Gott bleibt unzertrennlich mit uns verbunden. Nichts kann uns scheiden.

Denn der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!  Amen.

 

Pfr.in Daniela Janke, Böttingen

daniela.janke[at]elkw.de