Raif Muhammad Badawi

  
Raif Muhammad Badawi  geb. am 13.01.1984  ist ein Internet-Aktivist und politischer Gefangener. Badawi gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“ (الليبراليون السعوديون), eine Website über Politik und Religion in Saudi-Arabien. Die staatlichen Behörden reagierten mit Repressalien wie einem Reiseverbot und Einfrieren der Konten.
Am 17. Juni 2012 wurde Badawi verhaftet und gegen ihn ein Verfahren wegen Apostasie
eingeleitet. Ein islamisches Rechtsgutachten erklärte ihn im März 2013 zu einem „Ungläubigen“. Das Gericht warf ihm vor, er habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet, was gegen ein 2014 in Kraft getretenes Gesetz verstoße. Dieses Gesetz sieht im Absatz 1 jede Infragestellung des Islam als terroristische Handlung und stellt in Absatz 4 die Verbreitung von solch kritischen „Inhalten, Slogans, Symbolen, Botschaften [...] über Audio-, visuelle, Print- und sämtliche soziale Medien“ unter Strafe, bis zur Todesstrafe. Am 28. Juli 2013 wurde bekannt, dass er zu sieben Jahren Haft und viermal 150 Peitschenhieben verurteilt worden war. Im Mai 2014 wurde das Urteil geändert; wegen „Beleidigung des Islam“ verurteilte ihn ein Gericht zu

10 Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe und ca 194000€

Badawi hatte am Freitag, 9.01.2015 nahe der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda die ersten 50 Peitschenhiebe erhalten.
Kein Laut kam über seine Lippen, als er öffentlich ausgepeitscht wurde. Der Blogger Raif Badawi riskiert für die Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien sein Leben.

Die Strafe von 1000 Peitschenhieben soll über 20 Wochen aufgeteilt werden. Der 30-jährige Aktivist hatte auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islam kritisiert. Im Jahr 2012 wurde er deshalb festgenommen und im Dezember zu 1000 Peitschenhieben verurteilt.Tausend Peitschenhiebe Amnesty nennt Urteil gegen saudischen Aktivisten "skandalös"
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF), die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzt, forderte nach der ersten Auspeitschung am Freitag erneut die sofortige Aufhebung der Strafe. Auch wenn Saudi-Arabien bisher alle Appelle ignoriert habe, würde sich ihre Organisation auch weiter dafür einsetzen, dass Badawi baldmöglichst wieder in Freiheit gelangt, erklärte RSF-Programmdirektorin Lucie Morillon. Auch Amnesty International sowie die EU-Kommission und die US-Regierung haben die Strafe scharf verurteilt.

Quelle:  http://www.spiegel.de/suche/index.html?suchbegriff=Raif+Badawi

Freitag, 11.12.2015:

Drei Jahre Haft und 50 Peitschenhiebe hat Raif Badawi bereits überlebt, doch nun hat Saudi-Arabien den Blogger in ein anderes, abgelegenes Gefängnis verlegt. Der 31-Jährige will das nicht hinnehmen. Badawis Ehefrau Ensaf Haidar hat mitgeteilt, dass ihr Mann vor drei Tagen in den Hungerstreik getreten ist.

Saudi-Arabiens Behörden begründeten die Verlegung mit "administrativen Gründen". Die kanadische Regierung will sich nun für Badawi einsetzen. Seine Ehefrau lebt nämlich mit ihren drei gemeinsamen Kindern in Kanada. "Wir sind wegen der Lage von Herrn Badawi sehr besorgt und tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass die Sache gut ausgeht", sagte Kanadas Außenminister Stephane Dion.

Badawi hatte 2008 das Internetforum "Freie Saudische Liberale" gegründet, das fortan ins Visier der Behörden in dem konservativen Königreich geriet.

Begnadigung ist nicht in Sicht

2011 erhob die Justiz Anklage. Weil Badawi islamische Autoritäten beleidigt haben soll und theologische Grundsatzfragen erörterte, wurde er beschuldigt, religiöse Werte angegriffen zu haben. Der Rechtsgelehrte Abd al-Rahman al-Barrak erließ im März 2012 ein Gutachten, in dem er Badawi zu einem Ungläubigen erklärte, "der angeklagt und verurteilt werden muss, wie er es verdient". Badawi habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet - das dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben, forderte Barrak.

 

Die Behörden klagten ihn auch an, weil er vom Islam abgefallen sein soll. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Diese Strafe umging er, indem er in der Verhandlung dreimal das islamische Glaubensbekenntnis aussprach und damit bestätigte, Muslim zu sein.

Am kommenden Mittwoch wird Haidar in Straßburg den Sacharow-Preis des Europaparlaments stellvertretend für ihren Mann entgegennehmen. Mit der Auszeichnung würdigt die EU Badawis Einsatz für Meinungsfreiheit und Toleranz.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/saudi-arabien-raif-badawi-tritt-in-hungerstreik-a-1067241.html

 Weitere und aktuelle Informationen über Raif Badawi finden Sie bei Wikipedia unter folgendem Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Raif_Badawi