Foto:Dietmar Leichtle Glockenturm der Martinskirche

Foto: H. Weippert

Die Glocken der Martinskirche-
Wann läutet welche und warum?


Dieser Frage ist der Kirchengemeinderat bei der Überarbeitung der Läuteordnung für die Martinskirche nachgegangen, und zwar unter liturgischen wie auch musikalischen Gesichtspunkten.
Die Glocken dienen ja nicht in erster Linie der Anzeige einer Uhrzeit, sondern rufen die  christliche  Gemeinde  zum  Gottesdienst oder auch im Alltag zum Gebet und sind mit ihrem Klang ein Stück geistlicher Musik. Deshalb ist das Glockengeläut als Zeichen zur Sammlung und zum Gebet auch der Beginn des Gottesdienstes und nicht das Orgelvorspiel oder gar die Begrüßung durch den Liturgen.

Darum läuten die Glocken folgerichtig und nach der Verordnung  unserer  Landeskirche  nach dem Uhrschlag der angegebenen Gottesdienstzeit und nicht schon vorher! Dieses "Zusammenläuten" am Beginn des Gottesdienstes  (nachdem  mit  je  einer  Glocke zweimal  "vorgeläutet"  und  zur  inneren Vorbereitung auf den Gottesdienst gerufen wurde) dauert an jedem Sonn- und Feiertag 7 Minuten.
Grundlage der Läuteordnung ist vor allem die liturgische  (gottesdienstliche)
Bedeutung  der Glocken,  die von ihrer Größe und Anzahl her bestimmt wird.


In unserer Martinskirche  haben  wir  ein Vierergeläut:
-  Die  kleinste und hellste Glocke  ist  die "Taufglocke"  oder  auch
"Heilig-Geist-Glocke" (Tonhöhe h‘), die als  "Bitte  um  den  Heiligen  Geist"  zum Gottesdienstbeginn  oder  beim  Einläuten des Sonntags erklingt und auch während einer Taufe geläutet wird. Anders als bisher ist sie nun auch Teil des „traurigen“e-moll-Dreiklangs beim Zusammenläuten anlässlich einer Trauerfeier. Theologisch kommt hier zum Ausdruck, dass das Ja Gottes zu einem Menschen bei der Taufe auch bei seinem Tod und angesichts der
Ewigkeit gilt.
- Die nächstgrößere Glocke ist die „Martinsglocke“ oder auch „Zeichenglocke“
(Tonhöhe a‘). Sie trägt das Bildnis des Kirchenpatrons Martin. Geläutet wird sie vor  allem  beim  ersten  Vorläuten  eine Stunde  vor  dem  Gottesdienst  und  dann beim Zusammenläuten.

- Die zweittiefste Glocke ist die "Kreuz und Schiedglocke" (Tonhöhe g‘).
Sie erinnert an Leiden und Kreuz Jesu Christi und erklingt bei Andachten und sogenannten „Nebengottesdiensten“ beim zweiten Vorläuten  und sonst in der Regel beim Zusammenläuten. Nachmittags um 15 Uhr hören wir sie nach der biblischen Überlieferung zur Todesstunde Jesu.
Am Karfreitag wird dann ihr dunkler Klang von der tiefsten Glocke noch verstärkt.

- Diese tiefste Glocke ist die"Betglocke"(Tonhöhe e‘). Sie läutet immer beim Zusammenläuten  zum  Gottesdienstbeginn, während des Vater-unser-Gebets und zu den täglichen Gebetszeiten. Morgens, eigentlich um 6 Uhr, ist ihr Geläut als "Ruf zum Morgengebet" eine tägliche Erinnerung an Christi Auferstehung und stellt zugleich das Leben der Christen ins Licht des nahenden Gottestags (Römer 13,11-14). Ihr Läuten mittags um 12 Uhr ruft zum "Gebet für den Frieden", und wenn sie abends um 19 Uhr erklingt, erinnert sie uns an den "Abend des Lebens und den Abend der Welt".

Zum Morgenläuten eine Anmerkung: mit Rücksicht auf die Gäste im Hotel Herrmann hatten wir zuletzt erst um 8 Uhr geläutet. Dieses war dem Oberkirchenrat, der die Läuteordnung genehmigt, zu spät. Ein Läuten um 7 Uhr wurde auch deshalb befürwortet, weil es dann zusammen mit den Glocken der kath.Christus König Kirche ein gemeinsames Läuten gäbe, das die Ökumene hier klanglich betone.

Samstags um 18 Uhr werden mit allen Glocken die Sonn- und Festtage eingeläutet.
Wir  wünschen  uns,  dass  diese  Läuteordnung  zu einem  besseren  oder  auch  neuen  Verständnis  des Glockengeläuts helfen kann.

Für den Kirchengemeinderat
Dekan Michael Scheiberg