Lese-Andacht zum Sonntag 05.04.2020

Dekan Norbert Braun

für Ihre häusliche Andacht
als Word und Pdf-Datei und auf YouTube

Andacht zum Palmsonntag, 05. April 2020

„Überfließende Liebe“

 

Zum eigenen Lesen oder zum miteinander Feiern.

Bitte suchen Sie sich einen Platz, allen oder mit der Familie, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind. Wenn Sie mögen, entzünden sie doch eine Kerze. ER ist da.

 

Eröffnung:

Wir feiern zusammen mit vielen andern Menschen an anderen Orten. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Begrüßung

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem heutigen Palmsonntag treten wir in die Karwoche ein. Der Wochenspruch spricht davon, was passieren wird und warum dies geschieht. Er lautet: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ John 3,14,b.15

In dieser Woche sind wir ganz besonders eingeladen darüber nachzudenken, was dies für uns bedeutet.

 

Wochenlied EG 91,1 Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken.

 

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen.

 

9. Unendlich Glück! Du littest uns zugute.

Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.

Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,

am Kreuz erworben.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757 Melodie: Herzliebster Jesu Nr. 81

Hymnus aus dem Philipperbrief / EG 764

Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Philipper 2,6-11

 

Eingangsgebet:

Herr Jesus Christus,

wir danken dir, dass du diesen Weg gegangen bist, aus der Herrlichkeit des Vaters, hinein in die Not und die Schuld unserer Welt. Danke, dass du auch unsere Wege heute mit uns gehst.

Wir brauchen deinen Beistand, deine Hilfe und deinen Rat.

Darum bitten wir dich:

Lass uns jetzt zur Ruhe kommen. Hilf, dass wir unsere Herzen öffnen können für deine Gegenwart. Lass uns Deine Stimme hören und erfülle uns mit deiner Liebe.

Dir vertrauen wir uns an und beten in der Stille weiter, miteinander und füreinander:

Stilles Gebet

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

Herr, deine Hilfe schütze mich.  Amen

 

Predigt zu Markus 14,3-9 Salbung in Betanien

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen möchte, ist wirklich krass. Die Situation war ungefähr folgende:

So wie wir heute nur noch wenige Tage von Karfreitag und Ostern entfernt sind, so waren es damals noch zwei Tage bis zum Passafest der Juden. Jesus war noch nicht gekreuzigt worden. Aber die religiösen Führer hatten bereits beschlossen ihn noch vor dem Fest unauffällig aus dem Verkehr zu ziehen und zu töten, damit es keinen Aufruhr gibt.

Jesus aber war in Betanien, einem kleinen Dorf, nur ein paar Kilometer von Jerusalem entfernt. Dort saß er bei Simon, dem Aussätzigen beim Essen. Vielleicht hatte Jesus selber ihn geheilt. Vielleicht wollte dieser Simon aber auch nur mehr von diesem Rabbi aus Nazareth erfahren. Wir wissen es nicht. Aber dann geschah folgendes:

Da kam plötzlich eine Frau. Sie betrat den Raum und sie machte keine Anstalten die leeren Schüsseln aufzuräumen. Dagegen hätte niemand etwas gehabt. Nein, sie tat etwas ganz anders. Sie hatte ein Alabastergefäß mit ganz besonders reinem Narden-Öl bei sich. Das kam aus Indien und war ungeheuer kostbar. Mehr als 300 Silbergroschen war es damals wert. Das ist ein Jahresverdienst. Damit ging sie direkt zu Jesus. Sie zerbrach das Gefäß und sie goss das Öl auf seinen Kopf.

Ich stelle mir vor wie allen der Mund offen stehen blieb, und vor allem die Nase. Denn der ganze Raum füllte sich mit diesem wunderbaren Duft. Es war unglaublich und ungeheuer schön. Es sprach so viel Wertschätzung aus dem, was diese Frau tat, so viel Liebe.

Jemand mit Öl zu Salben war nicht so außergewöhnlich. Gastgeber ehrten manchmal so ihre Gäste, besonders wenn sie berühmte Rabbis waren. Aber hier war es anders. Es war so, wie wenn eine Königin in verschwenderischem Überfluss ihren König salbt.

Doch der ehrfürchtige Augenblick dauerte nicht lange.

Einige wurden nämlich ärgerlich und sie sagten zueinander: „Was soll diese Verschwendung? Man hätte doch dieses Öl für mehr als 300 Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren die Frau an.

Und sie hatten ja recht. Mit so viel Besitz, hätte man viel Gutes tun können: Hungrige speisen, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden und so weiter. Das wäre ganz im Sinne Jesu gewesen, der verkündigte: „Brich mit dem Hungrigen dein Brot“ und einmal sagte: „Was er einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Die Argumente der Männer stimmen also.

Und doch nimmt Jesus die Frau in Schutz. Er sagt: „Lasst sie! Was macht ihr sie so traurig?“

Die Männer trauen ihren Ohren nicht.

Aber Jesus begründet sein Verhalten und sagt

Erstens: Arme wird es immer geben. Und wenn ihr wollt, dann könnt ihr ihnen auch helfen. Das stimmt bis heute. Wir könnten vielen Armen helfen, wenn wir nur wollten. Aber tun wir es auch? Jesus sagte: „Diese Frau hat getan, was sie konnte.“

Zweitens sagt er indirekt: Alles hat seine Zeit.  „Arme gibt’s immer; mich aber habt ihr nicht allezeit bei euch.“ Das heißt für mich: Er lobt die Frau, denn sie hatte das richtige Timing. Sie hatte das Gespür dafür, was jetzt dran war. Haben wir das auch? Manchmal ist für einen Menschen eine liebevolle Zuwendung ja viel wichtiger, als dass man ihn abspeist mit Geld.

Und drittens sagt er: „Diese Frau hat ein gutes Werk an mir getan. Denn sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“ Jesus wusste, dass sie ihn wie einen Verbrecher hinrichten würden. Er ahnte, dass sie ihn ohne den letzten Liebeserweis einer Totensalbung ins Grab werfen würden.

Und darum ließ er auch den Liebesbeweis der Frau an sich geschehen. Er hat sie nicht in die Schranken gewiesen. Im Gegenteil. Er hat ihr verheißen: Überall, wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von ihr erzählen.

Und es stimmt, ich erzähle ja heute auch von ihr. Warum?

Weil wir von dieser Frau etwas lernen können.

Erstens: Ungeteilte Hingabe und eine Liebe, die dem anderen Gutes tut, ohne zu rechnen.

Zweitens: Jesus zu ehren. Diese Frau hat Jesus geehrt. Vielleicht ist ja genau dies auch für uns in der Karwoche jetzt dran: Dem Heiland der Welt die Ehre geben.

Die Männer am Tisch sehen nur, welchen Wert das Salböl hatte und was man damit hätte alles machen können. Diese Frau hat gezeigt welchen Wert Jesus für sie hat. Und in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes hat sie ein ganzes Jahresgehalt für Jesus „verschwendet“.

Warum?

Irgendetwas muss zwischen diesem Jesus und ihr gewesen sein. Irgendetwas muss diese Frau freigemacht haben zu lieben und sich und was sie hatte zu verschenken. Irgendetwas war da passiert, das ihr Herz verändert hat, das ihr diese Liebe geschenkt hat, die nicht berechnet und nichts zurückhält.

Irgendetwas ist doch auch zwischen uns und diesem Jesus geschehen. Oder? An was erinnern wir uns denn in den nächsten Tagen?  Erinnern wir uns nicht daran, dass er sich selbst in Freiheit für uns dahingegeben und verschenkt hat? Nahm er nicht das Brot und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird“? Und nahm er nicht den Kelch und sagte: „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“?

Jesus selber ist doch wie dieses überaus kostbare Salböl, das vergossen wurde und dessen Duft nun auf uns Menschen strömt. Wer hat denn größere Liebe als der, der sein Leben gibt für andere.

Und was machen wir?

Für einen kurzen Augenblick hielt die Welt den Atem an.

Aber dann kommen schon wieder die Einwände: was für eine Verschwendung? Und der Ärger: hätte man das alles nicht anders handhaben und regeln können?

Und wir haben tausend Ideen, was man noch alles tun könnte.

Dabei wäre jetzt vielleicht eines dran, nämlich auf den zu sehen, der alles für uns getan hat und uns in seine Liebe zu versenken und ihm dann auch unsere Liebe zu schenken. Die Welt würde ganz gewiss nicht ärmer dadurch werden, sondern liebevoller und wärmer.  Amen.  Lied: EG 400 Ich will dich lieben meine Stärke oder  My Jesus, my Saviour 
https://www.youtube.com/watch?v=h0X5Modh-Ag )

 

1. Ich will dich lieben, meine Stärke,

ich will dich lieben, meine Zier;

ich will dich lieben mit dem Werke

und immerwährender Begier.

Ich will dich lieben, schönstes Licht,

bis mir das Herze bricht.

 

5. Ich danke dir, du wahre Sonne,

dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;

ich danke dir, du Himmelswonne,

dass du mich froh und frei gemacht;

ich danke dir, du güldner Mund,

dass du mich machst gesund.

 

6. Erhalte mich auf deinen Stegen

und lass mich nicht mehr irre gehn;

lass meinen Fuß in deinen Wegen

nicht straucheln oder stillestehn;

erleucht mir Leib und Seele ganz,

du starker Himmelsglanz!

Text: Johann Scheffler 1657 Melodie: bei Johann Balthasar König 1738 

 

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,

wir danken dir für deine Liebe, in der du dein Leben gegeben hast und dich an uns verschenkst, ohne zu rechnen.

Danke, dass du diese Frau damals nicht zurückgestoßen hast.

Danke dass auch wir zu dir kommen dürfen.

Wir bitten dich: Lass auch unser Leben von deiner Liebe berührt und verändert werden. Entflamme neu unsere Liebe zu dir und zu unseren Nächsten, damit wir das tun können, was dran ist und hilft.
Wir wollen dir die Ehre geben und wir wollen unsern Nächsten lieben wir uns selbst. Hilf uns dazu.

Stehe allen bei, die in diesen Tagen ihre ganz eigene Leidensgeschichte durchleben müssen.

Stärke die, die Verantwortung für andere haben.

Tröste die Traurigen und gib du neue Hoffnung und Freude.

Dich rufen wir an und beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …

 

Segen

Der HERR segne euch und behüte euch // der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. // Der HERR erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen

 

Mit herzlichen Grüßen! 

  
Dekan Norbert Braun, Münsingen

 

 

 

 

 

 

Wir sind gerne für Sie da:

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braundontospamme@gowaway.elkw.de

 

Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, Patrick.Mauserdontospamme@gowaway.elkw.de

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, Salomo.Strauß@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Tel. 07381 931568,Maren.Müller-Klingler@elkw.de