Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Leseandacht zum Sonntag Exaudi,

24. Mai 2020

 

 

Eröffnung

Da, wo wir sind, feiern wir Gottesdienst.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Mit dem Wochenspruch des heutigen Sonntags verspricht uns Jesus, dass die Verbindung zu ihm auch nach Himmelfahrt verlässlich bleibt: "Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen." Joh 12,32

 

Wir beten:

Psalm 27, EG 714 und „Ehr sei dem Vater“

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,

er birgt mich im Schutz seines Zeltes

und erhöht mich auf einen Felsen.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

            wie es war im Anfang, jetzt und allezeit,

            und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangsgebet und stilles Gebet

Lieber Vater im Himmel,

sei Du uns jetzt nah mit Deinem Licht und Deinem Heil.

Nimm die Sorgen und Angst von uns und lass uns in Deiner Gegenwart aufatmen.

Höre, was wir Dir in der Stille sagen.

            Stilles Gebet

Wir danken dir, dass du uns gehört hast. Amen.

 

Es ist sommerlich geworden und vielleicht ging Ihnen Paul-Gerhardts Sommerlied schon durch den Kopf. Wir singen heute eher unbekannte Strophen. Dort wird die Schönheit der Natur für Paul Gerhardt zum Bild für die Schönheit Gottes, die Schönheit seines Himmelreichs.

 

♪ Lied EG 503, 1+10+11+12 Geh aus mein Herz

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

 

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein! Wie muss es da wohl klingen,

da so viel tausend Seraphim mit unverdrossnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen, ihr Halleluja singen.

 

11. O wär ich da! O stünd ich schon, ach süßer Gott, vor deinem Thron und trüge meine Palmen:

so wollt ich nach der Engel Weis erhöhen deines Namens Preis mit tausend schönen Psalmen, mit tausend schönen Psalmen.

 

12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen;

mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen, zu deinem Lobe neigen.

 

Lesepredigt zu Jeremia 31,31-34

Liebe Edwine, liebe Jenny, liebe Lina, liebe Rebekka,

heute hätten wir Eure Taufe und Eure Konfirmation gefeiert – eigentlich. Die rappelvolle Martinskirche hätte gesummt vor Erwartung Ihr wärt in Euren schönen Kleidern hier in die Kirche eingezogen,

die anderen Münsinger und Trailfinger Konfis hätten Euch von der Empor her zugenickt. Hätte, hätte, Fahrradkette -

Wie so manches andere in diesen Corona-Zeiten, mussten wir auch Euer Fest verschieben.

 

Jetzt seid Ihr so dazwischen. Euer Konfijahr ist eigentlich vorbei, aber konfirmiert seid ihr noch nicht. Und das ist irgendwie ein blödes Gefühl. Die Konfi-Kleider hängen im Schrank – und wer weiß, ob Ihr die noch tragen wollt, wenn wir dann Eure Konfirmation feiern.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, was es heißt, dazwischen zu sein, das kennen auch sie gerade gut. Wir dürfen wieder einkaufen gehen – aber mit Mundschutz. Wir können wieder Menschen treffen – aber nur aus einem Haushalt und mit Abstand. Wir sind so langsam wieder am Planen der nächsten Wochen – aber mit großer Unsicherheit.

Es ist nicht mehr so, wie vor vier Monaten.  Aber die „neue Normalität“ ist auch noch nicht da.

 

Die Menschen in Israel waren auch mal in einer Zwischenzeit.

Mehr als 2500 Jahre ist das her. Das kleine Königreich Israel lag zwischen den Großmächten Ägypten und Babylon. Und wer es überrennen und einkassieren würde, war ungewiss. Manchmal gab es so was wie ein Aufatmen. Aber was die Zukunft bringen würde, wusste keiner.

 

Die Unsicherheit war groß. Und die Suche, nach etwas, auf das man sich verlassen kann, auch. Manche Israeliten hofften, dass es hilft, wenn man möglichst viel Geld investiert, um möglichst allen denkbaren Göttern und Mächten ein Opfer zu bringen.

Andere verließen sich am liebsten auf sich selbst, fuhren die Ellenbogen aus und kämpften für sich und ihre Familie um eine gute Zukunft.

Die Gesellschaft zerfledderte, es mangelte an gegenseitiger Hilfe und Unterstützung. Und von ihrem Gott, der sie vor Generationen aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hatte, wollten sie nichts mehr wissen.

 

Da steht Jeremia auf. Ein Prophet.  Einer, der mit klarem Blick auf die Gegenwart schaut. Einer, der Gottes Worte für die Menschen hört.

Er sagt:

 

Hört her! Guckt hin! Da kommt was Neues, sagt Gott.

Die alte Verbindung zwischen mir und euch – die ist kaputt gegangen, weil ihr gelebt habt, als ob ich Luft bin. Ihr habt mich zurückgestoßen.

 

Aber das soll nicht das Ende unserer gemeinsamen Geschichte sein.

Ich fang neu an mit Euch. Ich schaffe eine neue Verbindung, einen neuen Bund. Eine Verbindung, die in Euch drin verankert ist – in Eurem Herzen, in Eurem Denken. Es wir in Euch drin sein, dass ihr zu mir gehört. Und dann wird alles gut sein.

 

Zwischen mir, Gott, und Euch. Und zwischen Euch Menschen untereinander. Und auch in Euch selbst und mit Euch selbst.

Alles wird gut sein.

Wenn wir uns heute umschauen, ist nicht alles gut. Durch Corona haben hier in Deutschland viele Menschen Existenzängste und Verschwörungstheorien versprechen einfache Antworten auf komplexe Probleme und schüren Zwietracht und Lüge.

Aus afrikanischer Sicht scheint Corona ein Problem unter vielen– Heuschrecken haben die Ernte vernichtet und Hunger ist Alltag.

In Indien und Bangladesh stecken Abertausende von Wanderarbeitern auf den Straßen fest. Und der Zyklon Amphan fegt übers Land.

Es ist nicht alles gut.

 

Auch im Kleinen ist es nicht gut.

Wir kaufen im Supermarkt Lebensmittel und interessieren uns nur selten für die Menschen, die sie für uns anbauen, herstellen, ins Regal einräumen. In unseren Gesprächen lästern und spotten und amüsieren wir uns und wollen nicht merken, wie andere Menschen dadurch klein gemacht, erniedrigt, gekränkt werden.

Es ist nicht gut.

 

Noch nicht gut. Aber Gottes Worte sind gesagt: Es wird gut werden – weil Gott uns zu seinen Verbündeten macht. Durch Jesus ist dieses Versprechen auch zu uns gekommen. Das Reich Gottes ist mitten unter Euch hat Jesus gesagt. Wie ein kleines Senfkorn. Am Anfang kaum zu erkennen – aber im Lauf der Zeit ein unübersehbarer Baum.

 

Gott macht uns zu seinen Verbündeten. In seinem Auftrag sind wir in dieser Welt unterwegs. Ihr Konfis in dieser Zwischenzeit. Wir alle in dieser Zwischenzeit. Als Gottes Verbündete leben wir.

Die Menschen um uns herum dürfen es ruhig merken. Dass wir unser Geld anders ausgeben, dass wir anders reden, anders leben. Weil Gott sich mit uns verbündet hat. Weil Gott uns so gut ist, tun wir was wir können, damit es gut wird. Das machen wir so lang, bis die neue Zeit da ist. Und – Gott sei Dank! – alles gut ist. Amen.

 

Lied EG 409,1+2+6-8 Gott liebt diese Welt

1. Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen.

Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!

 

2. Gott liebt diese Welt. Er rief sie ins Leben.

Gott ist’s, der erhält, was er selbst gegeben. Gott gehört die Welt!

 

6. Gott liebt diese Welt. In den Todesbanden

keine Macht ihn hält, Christus ist erstanden: Leben für die Welt!

 

7. Gott liebt diese Welt. Er wird wiederkommen,

wann es ihm gefällt, nicht nur für die Frommen, nein, für alle Welt!

 

8. Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen.

Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!

 

Fürbittengebet und Vaterunser

Vater im Himmel, als Deinen Verbündeten lass uns leben.

Senke es uns ins Herz, dass Du uns liebst.

 

Und dann zeig uns, wo Du uns haben möchtest in dieser Dazwischen-Zeit. Mach uns in allem, was wir tun, zu Boten Deiner Liebe und Deines Friedens, zu Boten der Hoffnung und der Zuversicht.

 

Vor Dir denken wir an die Menschen, die Hunger leiden, die kein Zuhause haben, die keine Zukunft sehen. Wir bitten Dich: Mach alles gut!

 

Dir legen wir alle Kranken ans Herz und auch die, die sich um sie sorgen. Wir bitten Dich: Mach alles gut!

 

Für alle, die Verantwortung tragen erbitten wir von Dir Weisheit und Mut und Kraft. Wir bitten Dich: Mach alles gut!

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…

 

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über Dich und schenke Dir seinen Frieden. Amen.

Mit herzlichen Grüßen, Pfarrerin Maren Müller-Klingler

 

Gut zu wissen:

Am Donnerstag findet in der Martinskirche Münsingen um 19 Uhr ein „Gemeinsam vor Pfingsten“-Gebetstreffen statt.

 

Am Pfingstsonntag und am Pfingsmontag ist in der Andreaskirche Trailfingen um 9.15 Uhr Gottesdienst, in der Martinskirche Münsingen um 10.15 Uhr.

 

Und weiterhin gilt: Wir sind gern für sie da.

 

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braun@elkw.de

 

Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, patrick.mauser@elkw.de

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, salomo.strauß@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler


Tel. 07381 931568, maren.mueller-klinglerdontospamme@gowaway.elkw.de

 

Die Verheißung eines neuen Bundes (Jeremia 31,31-34)

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Pfarrer Patrick Mauser

Leseandacht zum Sonntag Rogate, 17.05.2020, „Das Vaterunser“

 

Eröffnung

Da, wo wir sind, feiern wir Gottes-dienst.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Wochenspruch des heutigen Sonntags lautet:

"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." | Ps 66,20 

Lasst uns dem Psalm 73 beten:

 

Psalm 73 – „du bist doch, Gott, allezeit meines herzens Trost und mein Teil“

 

 

Dennoch bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat

und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Aber das ist meine Freude,

dass ich mich zu Gott halte

und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn,

dass ich verkündige all dein Tun.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und allezeit, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangsgebet und stilles Gebet

Ewiger Gott, an diesem Sonntag beten wir zu dir, weil du ein Gott bist, der zuhört.

Weil wir dich Vater nennen dürfen, dürfen wir dir alles sagen, was uns belastet.

 

Höre tief in unser Herz hinein, wenn wir dir nun Freud und Leid, Angst und Zuversicht, Gewinn und Verlust anbefehlen.

 

            Stille

 

Du hast uns gehört, wir danken Dir! Amen.

 

♪ Lied EG 447 Lobet den Herren alle, die ihn ehren

1. Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

2. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket

und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!

3. Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,

das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach lass doch ferner über unser Leben

bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben. Lobet den Herren!

7. Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen

und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren!

8. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen; hilf uns gehorsam wirken deine Werke;

und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. Lobet den Herren!

Lesepredigt zu Matthäus 6, 5-13

Liebe Geschwister,

Ich höre es jetzt schon von ein paar Menschen, dass diese Krisenzeit sie wieder neu an das Gebet, vor allem das tägliche Gebet, herangeführt hat oder dass Sie sogar neu damit beginnen.

Vielleicht liegt es an diesen Zeiten, wo ich links und rechts schauen kann oder den Platz wechseln kann, aber ich entkomme dieser Krise nicht. Ich habe sie selber nicht verursacht und ich kann mich auch selber nicht daraus befreien.

Was macht da mehr Sinn, als den Blick dann in den Himmel zu heben, weg von mir und dem alltäglichen und zu Gott. Aber nicht aus Alltagsflucht oder Verleugnung eines Problems…sondern, weil ich durch den Blick nach oben KRAFT für meinen Blick hier unten gewinnen kann. Darum sollten wir diesen Blick zum Alltag machen.

Für Jesus gehörte das Gebet ganz selbstverständlich zu seinem Leben. Mit seinem Vater zu reden war für ihn selbstverständlich und auch in schlimmsten Momenten unverzichtbar.

An diesem Sonntag hören wir was Jesus den Menschen zum Thema Gebet mitgegeben hatte, als er seine Bergpredigt (Matthäus 6) hielt:

Vom Beten. Das Vaterunser

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Jesus ist es das wichtigste, dass das Gebet GAAANZ auf Gott ausgerichtet ist. Und ich verstehe es so, dass es ihm um diese Dinge geht: Fokussierung, Ehrlichkeit, Offenheit, Vertrauen und Hingabe:

 

Fokussierung:

„Geh in dein Kämmerlein“…es kann zweierlei meinen: die Kammer im Innersten des Hauses, das Verborgenste, dass ruhigste im ganzen Haus in Jesu Heimatland damals – oder es meint, „gehe in dich“ – schließe die Augen oder was immer du brauchst…fokussiere dich auf Gott und konzentriere dich auf dich– Gott sieht dein Herz an und hört dich – du kannst dorthin gehen, wo es dir gut tut.

Ehrlichkeit und Offenheit:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Die Menge der Worte macht es nicht aus. Auch nicht, wie spontan oder viele man spricht. Auch nicht, ob man selber frei formuliert oder sich auf die Worte eines anderen Menschen stützt, wie die Psalmen oder moderne Gebete…Es gibt bei Gott keine Vorauswahl und keinen Filter, kein Ranking und kein Casting. Mit dem, was ich habe, darf ich zu Gott sprechen. Und es braucht eben KEINE SHOW für Ihn, er weiß doch, wie wir sind und was wir brauchen.

Somit braucht es keine Worte für Andere. Fürs das Ansehen bei Menschen, im Grunde braucht es auch gar keine lauten Worte…sondern eine unbedingte Offenheit, die auch gut tun kann, die ich sonst niemandem vielleicht gegenüber teilen möchte, aber doch mit dem, der mein Herz sowieso kennt.

Nun könnte man sagen, wenn Gott schon alles weiß, dann muss ich doch nicht mehr beten. Nun, ein schlauer Mensch hat mal gesagt: „Unser Gebet ist nicht der Grund der Gaben Gottes, die wir erhalten, sondern eher ein Zeichen, dass Gott uns seine Gaben bereitet hat“ (Johannes Cocceius +1669).

Vertrauen und Hingabe:

Jesus ist erfüllt von dem Wissen, dass sein Vater im Himmel Gebete erhört und dass er die Herzen kennt. Darum sagt er: Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Und darum ist auch das Gebet, dass er uns Menschen mitgeben wollte, so voller Gottvertrauen und darum beginnt es erstmal mit Gott, nicht mit den Menschen. Dann kommen die Bitten, die Basics, die Grundbedürfnisse, mit der Gewissheit, dass Gott sie erfüllt. Die Dinge für ein gutes Leben: in Brot und in Vergebung dessen, was bei unserem Leben schief läuft oder wir haben schief laufen lassen. Und darin zeigt sich Jesus aber auch in einer Hingabe: dass Gott in dieser Welt ein Faktor ist, dass er unsere Herzen lenkt und stärken kann und dass er es gut meint mit uns, uns versorgen will. Und diese Hingabe zeigt sich vor allem darin, wir Jesus den Allmächtigen Gott anspricht: „VATER“ – im aramäischen, Jesu Sprache: ABBA – die Anrede des Kindes zum Vater, PAPA! Wie die Hingabe und das Vertrauen, dass ein liebender Vater für seine Kinder sorgt, wissend, dass er da sein will, so betet Jesus. Und mit einer unglaublichen Vertrautheit und Nähe. Und so dürfen auch wir Gott nennen: „PAPA!“.

Ich wünsche uns, dass wir so voller Vertrauen zu Gott beten können, wie Jesus. Zu dem Gott, der die Welt und jeden von uns geschaffen hat, und den wir trotz seiner Größe, VATER nennen dürfen. Und ich wünsche uns, dass wir in dieser Zeit, in der so viele Gedanken kreisen und Sorgen durch die Nachrichten aufkommen, dass wir trotzdem uns auf uns, auf Gott, fokussieren können, und mal ganz ehrlich, vertrauens- und hingabevoll, so viel Kraft und Stütze durch das Gebet bekommen, dass wir mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken. Denn beten, wie Jesus es uns gelehrt hat, heißt auch, in absolutem Vertrauen, dass Gott hört und erhört – das stärkt. Denn genau, wie wenn Sie einen lieben Menschen vor sich haben und sie wissen, dass er HÖRT, was sie sagen, auch ohne, dass er gleich antwortet – das ist schon eine Stärkung und es ist Beziehung.

Und der Friede Gottes,  der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne  in Christus Jesus. AMEN.

Lied EG 423, Herr, höre, Herr, erhöre

1. Herr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre

an allen Orten aus; behüte alle Stände

durch deiner Allmacht Hände,

schütz Kirche, Obrigkeit und Haus.

 

3. Gib du getreue Lehrer und unverdrossne Hörer,

die beide Täter sein; auf Pflanzen und Begießen

lass dein Gedeihen fließen

und ernte reiche Früchte ein.

 

7. Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke,

die sonst verirret sein. Die Witwen und die Waisen

wollst du mit Troste speisen,

wenn sie zu dir um Hilfe schrein.

 

9. Komm als ein Arzt der Kranken, und die im Glauben wanken, lass nicht zugrunde gehn.

Die Alten heb und trage, auf dass sie ihre Plage

geduldig mögen überstehn.

 

10. Bleib der Verfolgten Stütze, die Reisenden beschütze, die Sterbenden begleit

mit deinen Engelscharen, dass sie in Frieden fahren

zur ewgen Ruh und Herrlichkeit.

 

11. Nun, Herr, du wirst erfüllen, was wir nach deinem Willen in Demut jetzt begehrt.

Wir sprechen nun das Amen in unsres Jesu Namen,

so ist all unser Flehn gewährt. 

 

Fürbittengebet mit Vaterunser

Vater unser.
Du bist unser Vater, dir verdanken wir unser Leben.
Dir sagen wir, worauf wir hoffen,
wonach wir uns sehen, wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.
Wir hoffen darauf, dass deine Liebe die Welt verwandelt.
Verwandle uns, damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.
Wir sehnen uns danach, dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen.
Schaffe deinem Frieden Raum, damit die Sanftmütigen das Erdreich besitzen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Wir fürchten uns davor, dass Leid und Krankheit kein Ende haben.
Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Nicht nur uns, auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, die vor den Trümmern ihres Lebens stehen
und die sich vor der Zukunft fürchten. Du bist die Quelle des Lebens, verbanne den Hunger.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung. Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut.
Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens. Versöhne uns und alle Welt.

Führe uns nicht in Versuchung.
Dein Wort ist das Leben. Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut.
Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit. Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen
Öffne unsere Augen, damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen.
Lass uns dem Bösen widerstehen und befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Du rufst uns beim Namen. Du siehst uns - wo wir auch sind,
am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern.
Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage.
In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.
 

 

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über Dich und schenke Dir seinen Frieden. Amen.

Mit herzlichen Grüßen, Pfarrer Patrick Mauser

Wir sind gern für sie da:

 

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braun@elkw.de

 

 Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, patrick.mauser@elkw.de

 

 Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, salomo.strauß@elkw.de

 

 Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Tel. 07381 931568, maren.mueller-klingler@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Leseandacht zum

Sonntag Kantate

 

Eröffnung

Da, wo wir sind, feiern wir Gottes-dienst.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Der Wochenspruch des heutigen Sonntags fordert uns zum Gotteslob auf:  "Singet dem HERRn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, Psalm 98,1

 

Das tun wir, in dem wir den Psalm beten, aus dem dieser Vers stammt:

 

Psalm 98, EG und „Ehr sei dem Vater“

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

            wie es war im Anfang, jetzt und allezeit,

            und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangsgebet und stilles Gebet

Ewiger Gott, durch das Kommen von Jesus zu uns Menschen

und mit seiner Auferweckung aus dem Tod

hast du aller Welt Grund genug zum Loben und Singen gegeben.

 

Doch weil das alte Lied des Jammers so leicht gesungen wird, darum bitten wir dich: Mach uns frei und stärke das Vertrauen in Dich,

dass wir mit unserem ganzen Leben  dein Lob und deine Ehre verkünden können. So bitten wir durch Christus, deinen Sohn, unsern Bruder und Herrn. Amen.

In der Stille beten wir weiter und bringen Gott, was uns bewegt.

            Stille

Du hast uns gehört, wir danken Dir! Amen.

 

♪ Lied EG 302,1-3 Du meine Seele singe

1. Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

 

2. Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,

das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;

sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

 

3. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht;

das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht:

der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer,

der Fisch unzähl’ge Herde im großen wilden Meer.

Lesepredigt zu 2. Chronik 5,2-5.12-14

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

Heute ist der Sonntag Kantate. Singt! heißt das übersetzt.

Und wir können dieser Aufforderung heute nicht so Folge leisten, wie wir das gern würden: Festgottesdienste sind mit Abstandsregeln schwer zu feiern.

 

Darüber trauern wir. Aber wir haben vorher darum gebetet, dass Gott uns frei macht vom Lied des Jammers. Und darum machen wir uns auf und suchen nach neuen Wegen Gott zu loben und zu ehren.

 

Neu, das war auch die Situation,  die in dem Abschnitt aus dem Chronikbüchern erzählt wird,  der heute Grundlage der Predigt ist.

Salomo hatte den Tempel bauen lassen. Alles war neu und schön und fertig. Und zur Vollendung wurde zum Abschluss die Bundeslade zu ihrem neuen Platz im Zentrum des Tempels, ins Allerheiligste gebracht.

Das wird so beschrieben

 

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird. 4Und es kamen alle Ältesten Israels,  und die Leviten hoben die Lade auf 5und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

[…]12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand,

standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte:»Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«,

da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, 14sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Volles Haus ist da im Tempel: Alle sind da. Und alle gemeinsam erleben etwas ganz und gar Neues: Die Bundeslade wird in den Tempel gebracht.

 

Die Bundeslade ist das Zeichen für das Volk Israel, dass Gott da ist, für sie da ist und mit geht. 40 Jahre ist das Volk der Bundeslade durch die Wüste hinterher gewandert. Angekommen im Land Israel blieb dieser Holzkasten das Zeichen der Erinnerung an Gottes Gegenwart mitten im Volk. Nun kommt sie schließlich im Allerheiligsten an, wird dort abgestellt und ein Lied erklingt: Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.

 

Würden wir einen ähnlich bedeutsamen Anlass in unsere kirchenmusikalische Sprache übersetzen:  Wir würden erwarten, dass der Organist ins Schwitzen kommen, weil Hände und Füße so viele unterschiedliche Töne in den Kirchenraum schicken. Wir hätten einen Dirigenten vor Augen, der förmlich tanzt, um dem Chor und dem Orchester die vielen unterschiedlichen Einsätzen zu geben.

 

Die Erzählung im Chronikbuch berichtet etwas Unerwartetes.

Zum Höhepunkt der Tempeleinweihung erklingt ein Lied, das alle gemeinsam singen und spielen - und das hat sicherlich eine überwältigende Lautstärke entwickelt – aber es bleibt auffallend reduziert:

Wie mit einer Stimme, mit einer Melodie, als wäre es einer – so wird gesungen und musiziert.

 

Die Vielen werden zu Einem. Es geht nicht darum, dass sich einer profiliert oder die Stimmen im konzertanten Wechsel einander herausfordern. Es geht nur darum, dass alle miteinander Gott loben.

 

Sie feiern nicht ihre eigene, sondern Gottes Gegenwart. In der absichtlichen musikalischen Reduktion wird der eine Ton zum unüberhörbar Tragenden: Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.

 

Und Gott zieht ein in den Tempel - unter dem einmütigen Lobgesang der Vielen. Seine Herrlichkeit erfüllt alles, wie eine Wolke. Das Tun der Menschen setzt aus, weil Gott alles erfüllt.

Es wäre wirklich schön, wenn wir heute Festgottesdienste miteinander feiern könnten. Aber unser Predigttext macht deutlich: Unser menschliches Loben und Singen ist das Eine. Das Andere ist Gottes Gegenwart. Die erfüllt alles. Durchdringt alles.

Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.

 

Das mag man eigentlich laut hören und singen. Aber man kann es auch hinter dem Mundschutz flüstern. Denn es kommt nicht darauf an,

dass wir etwas tun, dass wir uns profilieren,  dass wir uns gut fühlen,

dass wir Gänsehaut haben.

Gott tut das, was nötig ist. Er ist da und erfüllt die Gegenwart.

Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.

 

Es gibt in der Bibel den Psalm 136. Psalm.  Ein Gebet, das eine eindrückliche Form hat: In einem Satz wird ein Sinneseindruck, eine Welterfahrung oder eine Erinnerung genannt. Und wie ein Refrain wiederholt sich in jedem zweiten Satz das  „denn seine Güte währet ewig“.

Das ganze Leben wird gespiegelt in diesem Lob Gottes. Und alles, was geschieht, wird im Horizont der Güte Gottes gedeutet.

 

Kantate 2020 ist stiller als in den Jahren davor. Wir sind behindert in unserer Ausdrucksfähigkeit. So ist dieses Kantate-Sonntags die Gelegenheit, dass wir uns auf den Grundton besinnen. Die Grundmelodie unseres Lebens. Auf das, was uns trägt. Auf Gottes Güte und seine Barmherzigkeit. Und auf sein Versprechen immer und ewig so zu sein.

 

Es geht um Gott und seine Gegenwart. - für uns als Christen hat die in Jesus Hand und Fuß bekommen. In ihm kam Gottes Güte und Barmherzigkeit auch zu uns. Und durch die Auferweckung vom Tod hat Jesus Ewigkeitswert verliehen bekommen.

Er ist da. Überall und immer.

 

So kann es uns eine geistliche Übung in diesen Tagen sein, uns ähnlich wie der Psalm 136 auf diese Grundmelodie zu besinnen: Gott ist gütig und seine Barmherzigkeit währet ewig. (Wir probieren so ein Beten nachher miteinander aus.)

 

Wie ein Refrain soll es unser Leben durchziehen. Soll zum Spiegel, zum Deutungsrahmen und auch zum Kontrapunkt meines Lebens werden. Gott ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig.

 

Singt dieses Lied laut oder leise, zuhause oder unterwegs. Singt es mit eurem ganzen Leben. Gott ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig. Singt dieses Lied - um Gottes willen. Amen.

 

Lied EG 325,1+7 Sollt ich meinem Gott nicht singen

1. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?

Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein’.

Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt,

das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben.

Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt,

dass ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb und Güt.

Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht

nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen.

Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

 

Fürbittengebet und Vaterunser

Heiliger und Ewiger,

ohne Anfang und ohne Ende, du wohnst unter uns.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Unser Leben ist gehalten in Deiner Hand, heute und alle Tage

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Dankbar sind wir verbunden und mit allen Brüdern und Schwestern, die mit uns Gottesdienst feiern, an welchen Orten sie auch sind.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Diese Zeiten fordern uns heraus und überfordern uns auch manchmal. Sei Du Gegenwärtig.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Mütter und Väter sorgen für ihre Kindergarten- und Schulkinder und kommen an die Grenzen ihrer Kraft. Stärke sie.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Kinder und Jugendliche müssen auf ihre Freunde und Hobbies verzichten. Gib ihnen Geduld und Durchhaltevermögen.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Erwachsene Kinder sorgen sich um ihre altgewordenen Eltern, besonders um die in den Pflegeheimen. Tröste die Traurigen

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Konfirmandinnen und Konfirmanden hatten diesen Tag heute als ihr Fest im Kalender und wissen nun noch nicht, wann sie Konfirmation feiern werden. Halte sie nah bei dir.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Auf der ganzen Welt sind Menschen erkrankt, überall bemühen sich Pflegende und Ärzte um sie mit aller Kraft. Die Forschenden suchen nach Medikamenten und Impfungen. Segne sie alle

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Manchmal können die Sterbenden nicht begleitet werden, den Trauernden ist ein Abschiednehmen verwehrt. Umfange sie mit Deiner Nähe.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Im Schatten der Corona-Pandemie wird weiter Krieg geführt, Heimat zerstört, Menschen erniedrigt. Sei Du ihr Schutz.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Öffne unsere Herzen und Hände und unseren Geldbeutel für die Not der Fremden. Mach uns barmherzig.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Vor 75 Jahren war der Krieg vorbei, aus Feinden wurden Freunde, seither ist uns der Frieden geschenkt – lass ihn uns bewahren.

Gott, Du bist gütig und Deine Barmherzigkeit währt ewig.

Vater im Himmel, zeige uns Deine Güte und Barmherzigkeit heute und an allen Tagen. Amen.

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme…

 

Segen

Der HERR segne Dich und behüte Dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der HERR erhebe sein Angesicht über Dich und schenke Dir seinen Frieden. Amen.

Mit herzlichen Grüßen, Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Wir sind gern für sie da:

 

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braun@elkw.de

 

Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, patrick.mauser@elkw.de

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, salomo.strauß@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Tel. 07381 931568, maren.mueller-klingler@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Andacht zum Sonntag Jubilate

am 3. Mai 2020

zum eigenen Lesen

oder in der Familie feiern

 

Einen frohen Sonntag wünsche ich Ihnen! Bitte suchen Sie sich einen Platz,

allein oder mit der Familie,  an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind.

Wenn Sie mögen,  entzünden Sie doch eine Kerze.

 

Eröffnung

Wir feiern zusammen mit vielen anderen Menschen an anderen Orten.

 

Nach dieser Woche atmen wir auf in Gottes Gegenwart

und feiern den Sonntag.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

heute ist der Sonntag Jubilate - Jubelt! Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung: seit drei Wochen leben wir „nach Ostern“. Aus dem Tod wächst neues Leben – das ist der Grund für unsere Hoffnung, unsren Mut und unsre Freude.

 

Als Leitvers steht über der neuen Woche der Vers aus 2.Korinther 5,17: 

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

 

Lied EG 611 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.

Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Kehrvers

Ehre sei Gott auf der Erde

in allen Straßen und Häusern,

die Menschen werden singen,

bis das Lied zum Himmel steigt.

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden.

Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.

Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

 

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache.

Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

 

oder EG 321  Nun danket alle Gott

1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

 

2. Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort

und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

 

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

 

Psalm 66,1-9 – Der Wochenpsalm:

Jauchzet Gott, alle Lande! /Lobsinget zur Ehre seines Namens;

rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.          

 

Gebet

Lieber Gott,

So viele Seelen sind gerade müde und verzagt. Auch meine manchmal.

Darum danke ich Dir, dass Du unsre Seelen am Leben erhältst.

Ich danke Dir, dass Du da bist, dass Du für uns da bist.

Heute und in alle Ewigkeit.

Staunend erkenne ich: Du bist treu und voller Liebe.

Und Du bewahrst das Leben. Du weckst das Tote neu zum Leben auf.

Heute und alle Tage

Mein Herz geht mir auf darüber und ich freue mich an Dir!

            Persönliches Gebet in der Stille

Du hast mich gehört. Dafür danken ich dir. Amen.

 

 

Gedanken zum Predigttext Johannes 15,1-8

Seit einigen Tagen landen immer wieder kleine Filmchen auf meinem Handy:  Ein Mann oder eine Frau sitzen da vor der Kamera,

im Hintergrund ein Wohnzimmer oder eine Küche.

Und dann beginnt die Person von ihrem Leben in Coronazeiten zu erzählen:  Wie schön das ist, dass man mehr Zeit in der Familie hat,

wie viel schon lang Unerledigtes jetzt endlich getan ist,

wie gut das Miteinander funktioniert und so weiter.

 

Während dessen blättert die Person aber einen mit kurzen Sätzen beschrifteten Block um. Und da stehen andere Botschaften drauf:

Immer sind alle da!  Keine Minute Ruhe! Immer Kochen, Aufräumen, Putzen!

--------------------

Ich habe herzlich gelacht, als ich so einen Film zum ersten Mal gesehen habe. Weil ich so manches aus meinem Alltag wiedererkannt habe.

Die Corona-Zeit hat unser Leben anders gemacht,

und Viele meistern diese Herausforderung sehr tapfer.

Aber sie kostet auch Kraft.

Und wir müssen noch Wochen, Monate durchhalten.

Kein Wunder, dass sich da Erschöpfung und Ungeduld einstellen

und die Nerven manchmal blank liegen.

--------------------

Wir müssen drum auf uns achtgeben.

Jeder und jede auf sich. Und wir alle aufeinander.

Wir brauchen Kraftquellen, Versorgungsstationen, Möglichkeiten zum Durchschnaufen. Sonst schaffen wir das nicht.

 

Im Predigttext für den heutigen Sonntag sagt Jesus:

Ich bin Deine Kraftquelle. Ich bin Dein Ursprung.

Er benutzt dafür ein Bild:

Jesus sagt: Ich bin Dein Weinstock und Du bist meine Rebe!

--------------------

Mich berührt es, dass er das so feststellend sagt. So ist es.

Nicht: Ich biete mich Dir als Kraftquelle an.

Oder: Wenn Du willst, dann kann ich es für Dich sein.

Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ich bin Dein Ursprung und Du wächst aus mir. Das ist Deine Realität.“

Schon allein diese Feststellung, lässt mein Herz ruhiger schlagen,

streichelt meine Seele.

 

Jesus sagt uns: Ihr gehört zu mir. Ja, mehr noch, er sagt: Ihr seid in mir, wachst aus mir. Für Jesus ist das keine Frage.

Und ich will mich neu darauf besinnen, in dieser Wirklichkeit bleiben,

wenn meine Nerven blank liegen  und die Unsicherheit mir Sorgen macht.

--------------------

Wie geht das, sich auf Gottes Kraftquelle besinnen?

Für mich gehört Stille dazu.

Sei es in den frühen Morgenstunden, in einer offenen Kirche, bei einem Spaziergang. Manchmal lässt sich die Stille sogar beim Warten vor der Kasse im Supermarkt finden  Ich suche die Stille.

 

In der Stille formuliere ich meine Gedanken vor Gott. Ich bitte, danke, schweige, höre.  Oder ich spreche nach, was andere vor mir gesagt haben: ein Vaterunser, einen Psalm, ein formuliertes Gebet. Ich bete also.

 

Und dann brauche ich Momente, in denen Worte über Gott und von Gott zu mir kommen: Das Lesen der Losung, Bibellesen, gute Bücher, Gottesdienste und Andachten, Lieder und Musik.  Das, was Sie gerade tun.

--------------------

Das Besinnen auf Gott nimmt uns nicht aus den Anforderungen unseres Lebens heraus. Wir bleiben Menschen in dieser Welt.

Der Keller ist weiter unaufgeräumt. Das Zusammenleben unter einem Dach bleibt spannend. Und welche Folgen diese Wochen für uns alle noch haben, kann keiner abschätzen.

 

Aber wir stehen in dieser Welt als die, die in Gott sind.  Das bleibt unsere Realität. Wir werden dadurch hoffentlich barmherziger mit uns und anderen,  demütiger im Planen,  dankbarer für das, was gelingt.

 

Und nach und nach stimme ich ein den Jubel ein, der Gottes Schöpfung immer durchzieht und der dem heutigen Sonntag seinen Namen gibt: Jubilate!  Freut Euch an Gott. Freut Euch an allem Schönen dieser Welt.

Freut Euch an Eurem Leben. Denn ihr seid aus Gott.

 

Eine in Gott gegründete Woche wünsche ich Ihnen.

Seien Sie behütet!

 

Gebet

In dir bleiben, Christus, macht uns so reich.
Die Kraft von dir empfangen. Aus dir leben.
Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst.
Und so Frucht bringen.


Christus, wirklich: ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.
Gib sie denen, die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.

 

Bleib bei deiner Welt, Christus, sprich zu uns,
ermutige uns zum richtigen Tun.
Und vor allem: Bleib bei uns und der ganzen Welt.

Wir brauchen Dich so nötig.


Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock, wir sind deine Reben.
Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name

 

Segen

Der HERR segnet Dich und behütet Dich. Der HERR lässt sein Angesicht leuchten über Dir und ist Dir gnädig. Der HERR erhebt sein Angesicht auf Dich und gibt Dir seinen Frieden. Amen.

 

 

Mit herzlichen Grüßen!

Ihre Pfarrerin Maren Müller-Klingler

 

 

Wir sind gern für sie da:

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braun@elkw.de

 

Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, patrick.mauser@elkw.de

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, salomo.strauß@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Tel. 07381 931568, maren.mueller-klingler@elkw.de

 

 

 

 

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Andacht zum Sonntag Jubilate

am 3. Mai 2020

zum eigenen Lesen

oder in der Familie feiern

 

Einen frohen Sonntag wünsche ich Ihnen! Bitte suchen Sie sich einen Platz,

allein oder mit der Familie,  an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind.

Wenn Sie mögen,  entzünden Sie doch eine Kerze.

 

Eröffnung

Wir feiern zusammen mit vielen anderen Menschen an anderen Orten.

 

Nach dieser Woche atmen wir auf in Gottes Gegenwart

und feiern den Sonntag.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

heute ist der Sonntag Jubilate - Jubelt! Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung: seit drei Wochen leben wir „nach Ostern“. Aus dem Tod wächst neues Leben – das ist der Grund für unsere Hoffnung, unsren Mut und unsre Freude.

 

Als Leitvers steht über der neuen Woche der Vers aus 2.Korinther 5,17: 

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

 

Lied EG 611 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.

Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Kehrvers

Ehre sei Gott auf der Erde

in allen Straßen und Häusern,

die Menschen werden singen,

bis das Lied zum Himmel steigt.

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden.

Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.

Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

 

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache.

Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

 

oder EG 321  Nun danket alle Gott

1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

 

2. Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort

und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

 

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

 

Psalm 66,1-9 – Der Wochenpsalm:

Jauchzet Gott, alle Lande! /Lobsinget zur Ehre seines Namens;

rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.          

 

Gebet

Lieber Gott,

So viele Seelen sind gerade müde und verzagt. Auch meine manchmal.

Darum danke ich Dir, dass Du unsre Seelen am Leben erhältst.

Ich danke Dir, dass Du da bist, dass Du für uns da bist.

Heute und in alle Ewigkeit.

Staunend erkenne ich: Du bist treu und voller Liebe.

Und Du bewahrst das Leben. Du weckst das Tote neu zum Leben auf.

Heute und alle Tage

Mein Herz geht mir auf darüber und ich freue mich an Dir!

            Persönliches Gebet in der Stille

Du hast mich gehört. Dafür danken ich dir. Amen.

 

 

Gedanken zum Predigttext Johannes 15,1-8

Seit einigen Tagen landen immer wieder kleine Filmchen auf meinem Handy:  Ein Mann oder eine Frau sitzen da vor der Kamera,

im Hintergrund ein Wohnzimmer oder eine Küche.

Und dann beginnt die Person von ihrem Leben in Coronazeiten zu erzählen:  Wie schön das ist, dass man mehr Zeit in der Familie hat,

wie viel schon lang Unerledigtes jetzt endlich getan ist,

wie gut das Miteinander funktioniert und so weiter.

 

Während dessen blättert die Person aber einen mit kurzen Sätzen beschrifteten Block um. Und da stehen andere Botschaften drauf:

Immer sind alle da!  Keine Minute Ruhe! Immer Kochen, Aufräumen, Putzen!

--------------------

Ich habe herzlich gelacht, als ich so einen Film zum ersten Mal gesehen habe. Weil ich so manches aus meinem Alltag wiedererkannt habe.

Die Corona-Zeit hat unser Leben anders gemacht,

und Viele meistern diese Herausforderung sehr tapfer.

Aber sie kostet auch Kraft.

Und wir müssen noch Wochen, Monate durchhalten.

Kein Wunder, dass sich da Erschöpfung und Ungeduld einstellen

und die Nerven manchmal blank liegen.

--------------------

Wir müssen drum auf uns achtgeben.

Jeder und jede auf sich. Und wir alle aufeinander.

Wir brauchen Kraftquellen, Versorgungsstationen, Möglichkeiten zum Durchschnaufen. Sonst schaffen wir das nicht.

 

Im Predigttext für den heutigen Sonntag sagt Jesus:

Ich bin Deine Kraftquelle. Ich bin Dein Ursprung.

Er benutzt dafür ein Bild:

Jesus sagt: Ich bin Dein Weinstock und Du bist meine Rebe!

--------------------

Mich berührt es, dass er das so feststellend sagt. So ist es.

Nicht: Ich biete mich Dir als Kraftquelle an.

Oder: Wenn Du willst, dann kann ich es für Dich sein.

Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ich bin Dein Ursprung und Du wächst aus mir. Das ist Deine Realität.“

Schon allein diese Feststellung, lässt mein Herz ruhiger schlagen,

streichelt meine Seele.

 

Jesus sagt uns: Ihr gehört zu mir. Ja, mehr noch, er sagt: Ihr seid in mir, wachst aus mir. Für Jesus ist das keine Frage.

Und ich will mich neu darauf besinnen, in dieser Wirklichkeit bleiben,

wenn meine Nerven blank liegen  und die Unsicherheit mir Sorgen macht.

--------------------

Wie geht das, sich auf Gottes Kraftquelle besinnen?

Für mich gehört Stille dazu.

Sei es in den frühen Morgenstunden, in einer offenen Kirche, bei einem Spaziergang. Manchmal lässt sich die Stille sogar beim Warten vor der Kasse im Supermarkt finden  Ich suche die Stille.

 

In der Stille formuliere ich meine Gedanken vor Gott. Ich bitte, danke, schweige, höre.  Oder ich spreche nach, was andere vor mir gesagt haben: ein Vaterunser, einen Psalm, ein formuliertes Gebet. Ich bete also.

 

Und dann brauche ich Momente, in denen Worte über Gott und von Gott zu mir kommen: Das Lesen der Losung, Bibellesen, gute Bücher, Gottesdienste und Andachten, Lieder und Musik.  Das, was Sie gerade tun.

--------------------

Das Besinnen auf Gott nimmt uns nicht aus den Anforderungen unseres Lebens heraus. Wir bleiben Menschen in dieser Welt.

Der Keller ist weiter unaufgeräumt. Das Zusammenleben unter einem Dach bleibt spannend. Und welche Folgen diese Wochen für uns alle noch haben, kann keiner abschätzen.

 

Aber wir stehen in dieser Welt als die, die in Gott sind.  Das bleibt unsere Realität. Wir werden dadurch hoffentlich barmherziger mit uns und anderen,  demütiger im Planen,  dankbarer für das, was gelingt.

 

Und nach und nach stimme ich ein den Jubel ein, der Gottes Schöpfung immer durchzieht und der dem heutigen Sonntag seinen Namen gibt: Jubilate!  Freut Euch an Gott. Freut Euch an allem Schönen dieser Welt.

Freut Euch an Eurem Leben. Denn ihr seid aus Gott.

 

Eine in Gott gegründete Woche wünsche ich Ihnen.

Seien Sie behütet!

 

Gebet

In dir bleiben, Christus, macht uns so reich.
Die Kraft von dir empfangen. Aus dir leben.
Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst.
Und so Frucht bringen.


Christus, wirklich: ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.
Gib sie denen, die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.

 

Bleib bei deiner Welt, Christus, sprich zu uns,
ermutige uns zum richtigen Tun.
Und vor allem: Bleib bei uns und der ganzen Welt.

Wir brauchen Dich so nötig.


Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock, wir sind deine Reben.
Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name

 

Segen

Der HERR segnet Dich und behütet Dich. Der HERR lässt sein Angesicht leuchten über Dir und ist Dir gnädig. Der HERR erhebt sein Angesicht auf Dich und gibt Dir seinen Frieden. Amen.

 

 

Mit herzlichen Grüßen!

Ihre Pfarrerin Maren Müller-Klingler

 

 

Wir sind gern für sie da:

Dekan Norbert Braun

Tel. 07381 2259, Norbert.Braun@elkw.de

 

Pfarrer Patrick Mauser

Tel. 07381 939644, patrick.mauser@elkw.de

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

Tel. 07381 2239, salomo.strauß@elkw.de

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Tel. 07381 931568, maren.mueller-klingler@elkw.de

 

 

 

 

 

Pfarrer Dr. Salomo Strauß

 

Andacht für Karfreitag,
  
10. April 2020

Wie der Tod Jesu unser
  
Sterben verändert

 

o      Bitte suchen Sie sich einen Platz, allen oder mit der Familie, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört eine Andacht feiern können.

o      Vielleicht mögen Sie ja auch eine Kerze aufstellen.

o      Rechnen Sie mit Gottes Gegenwart. ER ist da.

 

 

Leser: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Alle: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

(Entzünden einer Kerze)

Begrüßung

 L: Heute ist Karfreitag. Wir denken an das Sterben Jesu. Der Tagesspruch stellt uns darin die Liebe Gottes vor Augen: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Das Tageslied grüßt Jesus, der sich am Kreuz für uns gegeben hat: O Haupt voll Blut und Wunden, im Gesangbuch unter der Nr. 85.

 

Lied: EG 85,1+4+5+9 „O Haupt voll Blut und Wunden“

(Kann gesungen oder gelesen werden, die Orgelbegleitung einer Strophe hat Herr Lust für Sie eingespielt. Sie findet sich auf unserer Homepage unter: https://www.evang-kirche-muensingen.de/nimm-dir-zeit-predigten-andachten-angebote-aus-unserer-kirche/lieder-zur-passion/ )

 

1. O Haupt voll Blut und Wunden,

voll Schmerz und voller Hohn,

o Haupt, zum Spott gebunden

mit einer Dornenkron,

o Haupt, sonst schön gezieret

mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret:

gegrüßet seist du mir!

 

4. Nun, was du, Herr, erduldet,

ist alles meine Last;

ich hab es selbst verschuldet,

was du getragen hast.

Schau her, hier steh ich Armer,

der Zorn verdienet hat.

Gib mir, o mein Erbarmer,

den Anblick deiner Gnad.

 

5. Erkenne mich, mein Hüter,

mein Hirte, nimm mich an.

Von dir, Quell aller Güter,

ist mir viel Guts getan;

dein Mund hat mich gelabet

mit Milch und süßer Kost,

dein Geist hat mich begabet

mit mancher Himmelslust.

 

9. Wenn ich einmal soll scheiden,

so scheide nicht von mir,

wenn ich den Tod soll leiden,

so tritt du dann herfür;

wenn mir am allerbängsten

wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten

kraft deiner Angst und Pein.

 

Psalm 22 / EG 709

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig,

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

Schriftlesung: Johannes 19,16-30

Da überantwortete Pilatus ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.“ Das taten die Soldaten. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

(Kerze kann ausgelöscht werden, Moment der Stille)

 

 

 

 

Leseandacht

Aus Italien haben wir Bilder von Särgen vor Augen. Kann man in einer solchen Zeit, in einer solchen Situation über Tod predigen? Oder muss man vielleicht gerade jetzt darüber predigen? Mit Karfreitag dürfen wir uns fragen, was durch den Tod Jesu im Blick auf unseren Tod anders geworden ist.

 

Der Apostel Paulus schreibt (2. Kor. 5,14b-21):

Wenn einer für alle gestorben, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Der Apostel Paulus sagt im Predigttext, dass Christus für alle gestorben ist. Trotzdem sterben wir noch. Und doch ist durch den Tod Jesu für uns etwas passiert: Wir müssen gerade Abstand halten, um das Leben zu schützen, Jesus hat den sicheren Abstand zu uns aufgegeben, damit wir leben. Er ist sogar für uns gestorben, hat die Gottferne auf sich genommen, damit wir selbst in der größten Einsamkeit nicht mehr gottverlassen sind. Er hat uns mit sich versöhnt, sich an unsere Seite gestellt, im Leben und im Sterben.

Trotzdem bittet er uns: Lasst euch versöhnen mit Gott. Gott selber ist es, der sich an unsere Seite stellt. Und er bittet uns, uns von ihm nicht zu isolieren. In der Gemeinschaft mit ihm haben wir das Leben, im Leben und im Sterben. Weil Christus für uns gestorben ist, muss keiner von uns mehr isoliert und gottverlassen leben oder sterben. Christus ist an unserer Seite.

So sind wir neue Kreaturen, schon heute: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so streben wir dem Herrn, darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

 

In der Gemeinschaft mit ihm dürfen wir leben, dürfen mit ihm reden, zu ihm singen.

 

Lied: EG 86,1+4+7 „Jesu, meines Lebens Leben“

(Kann gesungen oder gelesen werden)

 

1. Jesu, meines Lebens Leben,

Jesu, meines Todes Tod,

der du dich für mich gegeben

in die tiefste Seelennot,

in das äußerste Verderben,

nur dass ich nicht möchte sterben:

tausend-, tausendmal sei dir,

liebster Jesu, Dank dafür.

 

4. Man hat dich sehr hart verhöhnet,

dich mit großem Schimpf belegt,

gar mit Dornen dich gekrönet:

was hat dich dazu bewegt?

Dass du möchtest mich ergötzen,

mir die Ehrenkron aufsetzen.

Tausend-, tausendmal sei dir,

liebster Jesu, Dank dafür.

 

7. Deine Demut hat gebüßet

meinen Stolz und Übermut,

dein Tod meinen Tod versüßet;

es kommt alles mir zugut.

Dein Verspotten, dein Verspeien

muss zu Ehren mir gedeihen.

Tausend-, tausendmal sei dir,

liebster Jesu, Dank dafür.

 

Fürbittengebet
Wir danken dir, Gott, dass du unsere Isolation durchbrochen hast und für uns gestorben bist. Sei bei all den Menschen, denen die gegenwärtige Situation und die Einsamkeit zu schaffen machen, stehe den Helfenden bei und sei den Kranken und Sterbenden besonders nahe.

Gemeinsam beten wir: Vater unser

 

Segen

L:: Gott ist mit uns. Seinen Segen dürfen wir empfangen:

Der allmächtige und barmherzige Gott segne und behüte uns, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

A: Amen.

 

Lied: EG 576 „Heime Hoffnung und meine Freude“

(Kann gesungen oder gelesen werden)

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht:

Christus, meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

 

 

Ihr Pfarrer Dr. Salomo Strauß


Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Andacht zum Abendessen am Gründonnerstag am 9. April 2020

zum eigenen Lesen oder in der Familie feiern

 

Heute ist Gründonnerstag. Dieser Tag ist das festliche Aufatmen in der Passionswoche. Fröhlich feiern wir, dass Jesus uns das Abendmahl geschenkt hat, sich unseren Händen und unserer Gemeinschaft anvertraut und seine Gegenwart in Brot und Wein verspricht. Normalerweise… Dieses Jahr ist das Abendmahl-Feiern in der Gemeinde nicht möglich.

Wer das Abendmahl in der Familie feiern möchte, der kann das mit einer von der Landeskirche für dieses Jahr vorgesehenen Liturgie tun. Sie finden Sie ebenfalls auf der Homepage.

Die hier abgedruckte Liturgie ermöglicht ein Abendessen, das manche Elemente des Abendmahls aufnimmt, aber keine Abendmahlsfeier im Vollsinn sein will.

Schön ist es, wenn Sie nicht allein essen müssen. Können Sie sich jemanden einladen – per Telefon oder Skype z.B.?

Wenn Sie doch allein bleiben, dann fühlen Sie sich verbunden mit den Anderen, die an anderen Orten wie Sie das Gleiche tun.

Die verschiedenen Lesestücke können auf die anwesenden Personen verteilt werden.

Es ist anders – aber ich wünsche Ihnen, dass Sie auch auf diese andere Art und Weise die Verbindung mit Jesus feiern und empfinden. Gott segne Sie dazu!

 

Was brauche ich?

Die Feier findet am gedeckten Tisch statt. Darum: Tischtuch, evtl. Blumenstrauß, Kreuz (sofern vorhanden; gern auch eine Kreuzkette); Bibel und/oder Kinderbibel, Gedeck pro Person, Zutaten für ein anschließendes Abendbrot,  Kerze + Zündhölzer;  mehrere Ablaufblätter für alle, die etwas lesen,  Weißbrot, Traubensaft und/oder Wein

Anmerkung: Der Ablauf kann durch das Singen von Liedern ergänzt werden. Dann brauchen Sie evtl. auch ein Gesangbuch.

Passend sind Taizégesänge oder Korn, das in die Erde/ Wenn das Brot, das wir teilen/ Gut, dass wir einander haben/ Herr, bleibe bei uns u.a.

 

(Lied)

Eröffnung

A: Wir sitzen gemeinsam am Tisch und werden in besonderer Weise zu Abend essen. Wir erinnern uns an die letzte Mahlzeit, die Jesus zusammen mit seinen Jüngern hält.

 

B: Wir beten: Du, Gott, bist unsere Mitte und unser Grund. Es ist gut, bei dir zu verweilen. Vor uns liegen die Tage, in denen wir uns an Jesu Sterben erinnern. Öffne uns, stärke uns, erfülle uns mit deinem Geist. Amen

 

C: Ich lese uns aus dem Markus Evangelium im 14. Kapitel (MkEv 14, 12-26).

 

A: Gott deckt den Tisch für alle. Gott stillt unseren Hunger und beschenkt uns mit seinen Gaben. Wir bitten um Gottes Erbarmen mit dem Gebet, das Jesus uns geschenkt hat:

Alle beten das Vaterunser.

 

B: Wartende sind wir. Voller Sehnsucht warten wir auf das Fest des Lebens, dass es ein Ende hat mit allem Leid und allem lauten Geschrei – dass leise Töne und festliche Klänge unsere Sehnsucht verwandeln in Heiterkeit und Freude und wir einstimmen können in den Lobgesang.

 

(Lied)

C: hebt den Teller mit dem Brot

Gott, Quelle des Lebens, wir loben dich! Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Lass dieses Brot für uns zum Brot des Lebens werden.

Der Teller wird von Person zu Person gereicht und alle legen ein Stück Brot auf ihren Teller.

 

C: Hebt den Becher mit Wein/ Traubensaft

Du schenkst uns die Frucht des Weinstocks, das Zeichen des Festes. Lass diesen Becher für uns zum Becher des Heils werden. So stärken wir uns mit Brot und Wein.

Alle essen das Brot und trinken aus ihrem gefüllten Becher.

 

A: Wir beten: Wir danken dir, Gott, unendliche Quelle alles Geschaffenen. In Brot und Wein heiligst du alles, was geschaffen ist, uns und alle Mitgeschöpfe dieser Erde. In dieser Weise ermutigt, genießen wir mit Dank und Freude, was du uns schenkst. Amen

Daran schließt sich das weitere gemeinsame Essen und Trinken an.

 

(Lied)

 

Abendgebet von D. Bonhoeffer (gemeinsam)

Herr, mein Gott, ich danke dir, dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
Ich danke dir, dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen lässt. Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.

Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages und hilf, dass ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.

Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.

Ich befehle dir die Meinen, ich befehle dir dieses Haus, ich befehle dir meinen Leib und meine Seele. Gott, dein heiliger Name sei gelobt. Amen.

 

B: Segen

Der HERR segnet Dich und behütet Dich. Der HERR lässt sein Angesicht leuchten über Dir und ist Dir gnädig. Der HERR erhebt sein Angesicht auf Dich und gibt Dir seinen Frieden. Amen.

 

Gedanken zum Gründonnerstag  und zum 75. Sterbetag von Dietrich Bonhoeffers am 9.4.1945

Der Schmerz, dass wir heute den Gründonnerstag nicht in der Gemeinschaft feiern können,  ändert nichts am Wunder, das wir an diesem Tag feiern: Wir erinnern uns, dass Jesus Brot und Wein mit seinen Jüngerinnen und Jüngern teilt.

Dass Jesus so Gemeinschaft stiftet untereinander und mit ihm. Dass er sich uns verschenkt.

 

Jesus verspricht mit dem Abendmahl, dass durch ihn Gott da ist, für uns da ist. Egal was war und was ist,  egal, wie ich war oder bin. Gott ist für mich da.

Das feiern wir wenn wir an Gründonnerstag an das erste Abendmahl denken. Und das gilt auch in diesem Jahr. Man könnte es auch so formulieren:

 

„Wir dürfen immer  in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben. Das ist ein Leben, das für uns ein ganz neues Leben ist“

 

Diesen letzten Satz hat Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Heute vor 75 Jahren ist er am 9. April 1945 hingerichtet worden.

Engagiert im Widerstand gegen Adolf Hitler war er zwei zuvor Jahren gefangen genommen worden.  Zwei Jahren in Haft,  in denen nur sehr beschränkt Kontakt zu anderen Menschen möglich war. Zwei Jahre ohne Gottesdienste und das gemeinsame Feiern.

 

Wir merken: Dass man kirchliche Feiertage allein feiert, allein feiern muss  – das ist ein Erfahrung, die in der Christenheit nicht neu ist.

Nur uns ist sie so ganz und gar ungewohnt.

 

Ich lade Sie ein: Deuten Sie die Erfahrung dieses Gründonnerstags 2020 nicht nur als Schmerz, Sorge und Last. Halten Sie viemehr Ihr Herz weit für das Wunder der Nähe und Gegenwart Gottes. Gerade heute.

 

Es gilt was Bonhoeefer gesagt:

„Wir dürfen immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben. Das ist ein Leben, das für uns ein ganz neues Leben ist“

 

In unserem Essen und Trinken, im Feiern und Loben, im Klagen und Bitten, im Zweifeln und Glauben, in der Gemeinschaft – und, ja, selbst in der Einsamkeit: Gott ist da. Immer.

 

Und immer dürfen wir in seiner Gegenwart leben.

Das heißt doch: Gott sitzt grade bei Ihnen am Tisch oder auf dem Sofa. Gott putzt nachher mit ihnen die Zähne und verzieht sich auch dann nicht, wenn die Fetzen fliegen. Gott sitzt am Bett, wenn sie nicht schlafen können und schickt mit den ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages Ihnen einen freundlichen Gruß. Gott ist da.

 

Gott ist da, als säße ein Freund mit einem Glas Wein oder einer Tasse Kaffee am Tisch. Immer, immer ist Gott da Das ist das neue Leben, das uns geschenkt ist.

Dass Sie mit diesen Gedanken getrost und froh den Abend verbringen und eine behütete Nacht haben, wünsche ich Ihnen!

 

Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott,

das heißt:

er bleibt der Herr der Erde,

er erhält seine Kirche,

er schenkt uns immer neuen Glauben,

legt uns nicht mehr auf, als wir tragen können,

macht uns seiner Nähe und Hilfe froh,

erhört unsere Gebete

und führt uns auf dem besten und geradesten Wege zu sich.

Indem Gott dies gewiss tut, schafft er sich durch uns Lob.

 

Gewiss ist, dass wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen

und dass dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist;

dass es für uns nichts Unmögliches mehr gibt,

weil es für Gott nichts Unmögliches gibt;

dass keine irdische Macht uns anrühren kann ohne Gottes Willen

und dass Gefahr und Not uns nur näher zu Gott treiben;

gewiss ist,

dass wir nichts zu beanspruchen haben

und doch alles erbitten dürfen;

gewiss ist,

dass im Leiden unsere Freude,

im Sterben unser Leben verborgen ist;

gewiss ist,

dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen,

die uns trägt.

 

Zu all dem hat Gott in Jesus Ja und Amen gesagt.

Dieses Ja und Amen ist der feste Boden, auf dem wir stehen.

 

aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 569f.

Dekan Norbert Braun

Andacht zum Palmsonntag,
 05. April 2020

„Überfließende Liebe“

 

Zum eigenen Lesen oder zum miteinander Feiern.

Bitte suchen Sie sich einen Platz, allen oder mit der Familie, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind. Wenn Sie mögen, entzünden sie doch eine Kerze. ER ist da.

 

Eröffnung:

Wir feiern zusammen mit vielen andern Menschen an anderen Orten. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Begrüßung

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem heutigen Palmsonntag treten wir in die Karwoche ein. Der Wochenspruch spricht davon, was passieren wird und warum dies geschieht. Er lautet: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ John 3,14,b.15

In dieser Woche sind wir ganz besonders eingeladen darüber nachzudenken, was dies für uns bedeutet.

 

Wochenlied EG 91,1 Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken.

 

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen.

 

9. Unendlich Glück! Du littest uns zugute.

Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.

Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,

am Kreuz erworben.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757 Melodie: Herzliebster Jesu Nr. 81

Hymnus aus dem Philipperbrief / EG 764

Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Philipper 2,6-11

 

Eingangsgebet:

Herr Jesus Christus,

wir danken dir, dass du diesen Weg gegangen bist, aus der Herrlichkeit des Vaters, hinein in die Not und die Schuld unserer Welt. Danke, dass du auch unsere Wege heute mit uns gehst.

Wir brauchen deinen Beistand, deine Hilfe und deinen Rat.

Darum bitten wir dich:

Lass uns jetzt zur Ruhe kommen. Hilf, dass wir unsere Herzen öffnen können für deine Gegenwart. Lass uns Deine Stimme hören und erfülle uns mit deiner Liebe.

Dir vertrauen wir uns an und beten in der Stille weiter, miteinander und füreinander:

Stilles Gebet

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

Herr, deine Hilfe schütze mich.  Amen

 

Predigt zu Markus 14,3-9 Salbung in Betanien

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen möchte, ist wirklich krass. Die Situation war ungefähr folgende:

So wie wir heute nur noch wenige Tage von Karfreitag und Ostern entfernt sind, so waren es damals noch zwei Tage bis zum Passafest der Juden. Jesus war noch nicht gekreuzigt worden. Aber die religiösen Führer hatten bereits beschlossen ihn noch vor dem Fest unauffällig aus dem Verkehr zu ziehen und zu töten, damit es keinen Aufruhr gibt.

Jesus aber war in Betanien, einem kleinen Dorf, nur ein paar Kilometer von Jerusalem entfernt. Dort saß er bei Simon, dem Aussätzigen beim Essen. Vielleicht hatte Jesus selber ihn geheilt. Vielleicht wollte dieser Simon aber auch nur mehr von diesem Rabbi aus Nazareth erfahren. Wir wissen es nicht. Aber dann geschah folgendes:

Da kam plötzlich eine Frau. Sie betrat den Raum und sie machte keine Anstalten die leeren Schüsseln aufzuräumen. Dagegen hätte niemand etwas gehabt. Nein, sie tat etwas ganz anders. Sie hatte ein Alabastergefäß mit ganz besonders reinem Narden-Öl bei sich. Das kam aus Indien und war ungeheuer kostbar. Mehr als 300 Silbergroschen war es damals wert. Das ist ein Jahresverdienst. Damit ging sie direkt zu Jesus. Sie zerbrach das Gefäß und sie goss das Öl auf seinen Kopf.

Ich stelle mir vor wie allen der Mund offen stehen blieb, und vor allem die Nase. Denn der ganze Raum füllte sich mit diesem wunderbaren Duft. Es war unglaublich und ungeheuer schön. Es sprach so viel Wertschätzung aus dem, was diese Frau tat, so viel Liebe.

Jemand mit Öl zu Salben war nicht so außergewöhnlich. Gastgeber ehrten manchmal so ihre Gäste, besonders wenn sie berühmte Rabbis waren. Aber hier war es anders. Es war so, wie wenn eine Königin in verschwenderischem Überfluss ihren König salbt.

Doch der ehrfürchtige Augenblick dauerte nicht lange.

Einige wurden nämlich ärgerlich und sie sagten zueinander: „Was soll diese Verschwendung? Man hätte doch dieses Öl für mehr als 300 Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren die Frau an.

Und sie hatten ja recht. Mit so viel Besitz, hätte man viel Gutes tun können: Hungrige speisen, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden und so weiter. Das wäre ganz im Sinne Jesu gewesen, der verkündigte: „Brich mit dem Hungrigen dein Brot“ und einmal sagte: „Was er einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Die Argumente der Männer stimmen also.

Und doch nimmt Jesus die Frau in Schutz. Er sagt: „Lasst sie! Was macht ihr sie so traurig?“

Die Männer trauen ihren Ohren nicht.

Aber Jesus begründet sein Verhalten und sagt

Erstens: Arme wird es immer geben. Und wenn ihr wollt, dann könnt ihr ihnen auch helfen. Das stimmt bis heute. Wir könnten vielen Armen helfen, wenn wir nur wollten. Aber tun wir es auch? Jesus sagte: „Diese Frau hat getan, was sie konnte.“

Zweitens sagt er indirekt: Alles hat seine Zeit.  „Arme gibt’s immer; mich aber habt ihr nicht allezeit bei euch.“ Das heißt für mich: Er lobt die Frau, denn sie hatte das richtige Timing. Sie hatte das Gespür dafür, was jetzt dran war. Haben wir das auch? Manchmal ist für einen Menschen eine liebevolle Zuwendung ja viel wichtiger, als dass man ihn abspeist mit Geld.

Und drittens sagt er: „Diese Frau hat ein gutes Werk an mir getan. Denn sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“ Jesus wusste, dass sie ihn wie einen Verbrecher hinrichten würden. Er ahnte, dass sie ihn ohne den letzten Liebeserweis einer Totensalbung ins Grab werfen würden.

Und darum ließ er auch den Liebesbeweis der Frau an sich geschehen. Er hat sie nicht in die Schranken gewiesen. Im Gegenteil. Er hat ihr verheißen: Überall, wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von ihr erzählen.

Und es stimmt, ich erzähle ja heute auch von ihr. Warum?

Weil wir von dieser Frau etwas lernen können.

Erstens: Ungeteilte Hingabe und eine Liebe, die dem anderen Gutes tut, ohne zu rechnen.

Zweitens: Jesus zu ehren. Diese Frau hat Jesus geehrt. Vielleicht ist ja genau dies auch für uns in der Karwoche jetzt dran: Dem Heiland der Welt die Ehre geben.

Die Männer am Tisch sehen nur, welchen Wert das Salböl hatte und was man damit hätte alles machen können. Diese Frau hat gezeigt welchen Wert Jesus für sie hat. Und in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes hat sie ein ganzes Jahresgehalt für Jesus „verschwendet“.

Warum?

Irgendetwas muss zwischen diesem Jesus und ihr gewesen sein. Irgendetwas muss diese Frau freigemacht haben zu lieben und sich und was sie hatte zu verschenken. Irgendetwas war da passiert, das ihr Herz verändert hat, das ihr diese Liebe geschenkt hat, die nicht berechnet und nichts zurückhält.

Irgendetwas ist doch auch zwischen uns und diesem Jesus geschehen. Oder? An was erinnern wir uns denn in den nächsten Tagen?  Erinnern wir uns nicht daran, dass er sich selbst in Freiheit für uns dahingegeben und verschenkt hat? Nahm er nicht das Brot und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird“? Und nahm er nicht den Kelch und sagte: „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“?

Jesus selber ist doch wie dieses überaus kostbare Salböl, das vergossen wurde und dessen Duft nun auf uns Menschen strömt. Wer hat denn größere Liebe als der, der sein Leben gibt für andere.

Und was machen wir?

Für einen kurzen Augenblick hielt die Welt den Atem an.

Aber dann kommen schon wieder die Einwände: was für eine Verschwendung? Und der Ärger: hätte man das alles nicht anders handhaben und regeln können?

Und wir haben tausend Ideen, was man noch alles tun könnte.

Dabei wäre jetzt vielleicht eines dran, nämlich auf den zu sehen, der alles für uns getan hat und uns in seine Liebe zu versenken und ihm dann auch unsere Liebe zu schenken. Die Welt würde ganz gewiss nicht ärmer dadurch werden, sondern liebevoller und wärmer.  Amen.  Lied: EG 400 Ich will dich lieben meine Stärke oder  My Jesus, my Saviour ( https://www.youtube.com/watch?v=h0X5Modh-Ag )

 

1. Ich will dich lieben, meine Stärke,

ich will dich lieben, meine Zier;

ich will dich lieben mit dem Werke

und immerwährender Begier.

Ich will dich lieben, schönstes Licht,

bis mir das Herze bricht.

 

5. Ich danke dir, du wahre Sonne,

dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;

ich danke dir, du Himmelswonne,

dass du mich froh und frei gemacht;

ich danke dir, du güldner Mund,

dass du mich machst gesund.

 

6. Erhalte mich auf deinen Stegen

und lass mich nicht mehr irre gehn;

lass meinen Fuß in deinen Wegen

nicht straucheln oder stillestehn;

erleucht mir Leib und Seele ganz,

du starker Himmelsglanz!

Text: Johann Scheffler 1657 Melodie: bei Johann Balthasar König 1738

 

 

Fürbittengebet
Herr Jesus Christus,

wir danken dir für deine Liebe, in der du dein Leben gegeben hast und dich an uns verschenkst, ohne zu rechnen.

Danke, dass du diese Frau damals nicht zurückgestoßen hast.

Danke dass auch wir zu dir kommen dürfen.

Wir bitten dich: Lass auch unser Leben von deiner Liebe berührt und verändert werden. Entflamme neu unsere Liebe zu dir und zu unseren Nächsten, damit wir das tun können, was dran ist und hilft.
Wir wollen dir die Ehre geben und wir wollen unsern Nächsten lieben wir uns selbst. Hilf uns dazu.

Stehe allen bei, die in diesen Tagen ihre ganz eigene Leidensgeschichte durchleben müssen.

Stärke die, die Verantwortung für andere haben.

Tröste die Traurigen und gib du neue Hoffnung und Freude.

Dich rufen wir an und beten gemeinsam:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …

 

Segen

Der HERR segne euch und behüte euch // der HERR lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. // Der HERR erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen

 

Mit herzlichen Grüßen! 

 
Dekan Norbert Braun, Münsingen

 

Pfarrerin Maren Müller-Klingler

Andacht zum Sonntag Judika am 29. März 2020

zum eigenen Lesen oder in der Familie feiern

 

Einen frohen Sonntag wünsche ich Ihnen!

Bitte suchen Sie sich einen Platz,

allein oder mit der Familie,

an dem Sie sich wohlfühlen

und ungestört sind.

Wenn Sie mögen,

entzünden Sie doch eine Kerze.

 

Eröffnung

Wir feiern zusammen mit vielen anderen Menschen an anderen Orten.

Nach dieser Woche atmen wir auf in Gottes Gegenwart

und feiern den Sonntag.

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

heute ist der fünfte Sonntag der Passionszeit.

Als Leitvers steht über der neuen Woche der Vers aus Matthäus 20,28: 

"Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele."

 

Mögen Sie singen oder summen?

 

Alternativ: EG 361 „Befiehl du deine Wege“

 

Psalm 43 – Der Wochenpsalm:

Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache

wider das unheilige Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,wenn mein Feind mich dränget?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

            Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

            wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

            und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.          

Gebet

Lieber Gott,

manchmal bin ich wirklich so „traurig gegangen“

in den vergangenen Tagen.

Wie ein Schiff im Sturm habe ich mich gefühlt.

Hin- und hergeworfen und ohne einen Plan,

wohin es weitergeht.

Sende Du mir dein Licht

und lass mir Deine Gegenwart aufstrahlen,

damit ich weiß, wo ich Halt finde.

Dir vertraue ich an, was mich umtreibt.

            Persönliches Gebet in der Stille

Du hast mich gehört. Dafür danken ich dir. Amen.

 

 

Gedanken zum Predigttext

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

die zweite Woche im Corona-Zustand liegt hinter uns.

Kinder haben sich daran gewöhnt, am Esstisch Schule zu haben.

Eltern jonglieren das Arbeiten zuhause und die Kinderbetreuung. Menschen, die allein leben, schaffen sich neue Rituale, um den Tag zu strukturieren.

Beim Spaziergang grüßen wir aus sicheren Abstand. 

Und im Großen und Ganzen schaffen wir das ganz gut.

 

Aber zugleich bleibt das Staunen und Rätseln über das, was da gerade um uns geschieht:

Wir beginnen zu ahnen, dass diese Ausnahmezeit uns noch lange beschäftigen wird.

Und Viele gehen mit einer unterschwelligen Anspannung durch die Tage:

Manche bangen um ihren Arbeitsplatz.

Die Frage, ob unser Gesundheitssystem den Anforderungen gewachsen ist, kann keiner zuverlässig beantworten.

Wir trauern um abgesagte Feste.

Und wir sorgen uns um schwache Menschen in unserer Nähe oder auch um uns selbst.

Was passiert da um uns her?

 

Keiner weiß es.

Wir alle sind gerade miteinander unterwegs in einem unbekannten Land.

Wir müssen uns irgendwie verhalten und Entscheidungen treffen,

auch wenn wir noch nicht wirklich abschätzen können,

was für Herausforderungen tatsächlich auf uns zukommen.

 

Vieles, das vor vier Wochen noch verlässlich war, ist ins Wanken gekommen:

Die Schulpflicht, das Einkaufen nach Lust und Laune,

das Dorfjubiläum in Trailfingen, der sonntägliche Gottesdienst.

Auf einmal ist alles fraglich geworden.

Und niemand kann wirklich sagen für wie lange.

Wir leben verunsichert.

 

Dieses Gefühl der Verunsicherung verbindet uns mit den ersten Hörern des Hebräerbriefs.

Sie lebten in einer anderen Zeit und hatten eine andere Welt um sich herum.

Wir denken und reden heute anders.

Aber, dass das Leben ratlos und bedrückt machen kann,

das war damals nicht anders als heute.

 

Verunsicherte Christen spricht dieser Brief an

und ermutigt zum Blickwechsel:

Schaut auf Jesus Christus,

schaut auf Gottes Gegenwart in dieser Welt!,

das ist die Botschaft des Hebräerbriefs.

Dort findet Eure verunsicherte Seele einen Ankerpunkt.

 

Ein kleiner Abschnitt aus eben diesem Brief ist für den vorletzten Sonntag der Passionszeit der vorgegebene Predigttext

12 Darum hat auch Jesus außerhalb des Stadttores gelitten.

Denn durch sein eigenes Blut wollte er das Volk heilig machen.

13 Lasst uns daher zu ihm hinausgehen vor das Lager.

Wir wollen die Schande auf uns nehmen, die er zu tragen hatte.

14 Denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt.

Sondern wir suchen nach der zukünftigen Stadt.

(Hebräer 13,12-14 nach der Basisbibel)

 

Lassen Sie uns von hinten anfangen:

Keine bleibende Stadt zu haben,

nichts zu haben, auf das auf Dauer Verlass ist

– das ist eigentlich immer eine Grundbedingung unseres menschlichen Lebens.

Gerade ist es uns allerdings sehr bewusst.

 

Die Stadt ist der gewohnte, geschützte Ort des alltäglichen Lebens.

Da, wo wir uns auskennen.

Wo wir uns sicher bewegen.

 

Der Hebräerbrief fordert uns auf, aus der Stadt hinauszugehen. Warum?

Weil draußen der Ort ist, 

wo wir Gott in seiner menschgewordenen Gestalt, in Jesus, finden. Jesus wurde vor den Stadttoren auf Golgatha gekreuzigt.

 

Da draußen ist Gott – nah  und ungeschützt und verletzlich – zu finden.

Bei ihm, durch ihn lernen wir, wie das Leben geht.

Ein Leben, das im Gottvertrauen gehalten ist.

Ein Leben, das Ewigkeitswert hat.

Ein Leben, das Nähe und Ungeschützsein aushält

und Verletzlichkeit zulässt.

Ein Leben in Liebe.

 

Ob wir wollen oder nicht:

Wir sind grade alle draußen

– auch wenn wir viel drinnen in unseren Häusern sind.

Wir sind draußen aus den gewohnten Abläufen.

Draußen auch aus dem, wie wir normalerweise unsere Beziehungen leben.

Draußen aus dem, wie wir das Leben kennen.

 

Der Gott, der uns in Jesus Christus nahe gekommen ist,

der ist schon da

und kommt uns auch auf diesem unbekannten Terrain entgegen.

Bei aller Verunsicherung hat dieses Gottvertrauen, dieser Glaube Tragkraft.

 

Und wir können es in diesen Tagen sehen:

durch Gottes Gegenwart werden Menschen allerorten befähigt,

dieses Leben außerhalb der gewohnten Sicherheiten zu gestalten.

 

Die Menschen in den Krankenhäusern arbeiten mit vollem Einsatz.

Unseren Verwaltungen und Bürgermeister und Entscheidungsträger nehmen ihre Verantwortung wahr.

Eltern geben Kindern Halt und Liebe.

Nachbarn schauen aufmerksam nacheinander.

Musikinstrumente spielen Hoffnungslieder an den Fenstern.

Christen beten miteinander wenn die Glocken läuten.

 

Wir sind nicht allein in dieser Situation.

Gott ist da und Jesus zeigt uns wie das Leben geht – auch jetzt.

Gottes Geist gibt uns Rückenwind und Mut.

Ideenreichtum und Geduld.

Und Zukunftshoffnung über unseren Horizont hinaus.

 

Eine behütete Woche wünsche ich Ihnen,

ein zuversichtliches, von Gott gehaltenes Herz

und die nötige Kraft für ihre Tage!

Behüt Sie Gott - an Leib und Seele! Amen.

 

Gebet

Ratlos sind wir, Gott,

und bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.

In Sorge um unsere Angehörigen sind wir,

und wir bringen unsere Sorge vor dich.

Bedrückt sind wir,

und wir bringen unsere Angst vor dich.

Dankbar sind wir für alle Menschen, die uns Mut machen,
und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

 

Mitten hinein in unsere Angst schenkst du uns das Leben.

Du schenkst uns Musik, Gemeinschaft und die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.

Du schenkst uns Inspiration, Freundlichkeit und Mut.

Du schenkst uns den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.
Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.
Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name

 

Segen

Der HERR segnet Dich und behütet Dich. Der HERR lässt sein Angesicht leuchten über Dir und ist Dir gnädig. Der HERR erhebt sein Angesicht auf Dich und gibt Dir seinen Frieden. Amen.

 

 

Mit herzlichen Grüßen!

Ihre Pfarrerin Maren Müller-Klingler

 

 „Unterwegs mit Gott finden wir das Leben“ -

Ein Lied, das den Predigttext aufnimmt finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=WKM7h2E6EMY

 

 

Andacht für Sonntag Lätare, 22. März 2020

Jesus begegnen … in meiner Not

 

o      Bitte suchen Sie sich einen Platz, allen oder mit der Familie, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört eine Andacht feiern können.

o      Legen Sie sich ein Gesangbuch bereit.

o      Vielleicht mögen Sie ja auch eine Kerze aufstellen.

o      Rechnen Sie mit Gottes Gegenwart. ER ist da.

 

Leser: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Alle: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

(Entzünden einer Kerze)

Begrüßung

 L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der vierte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Lätare. Lätare heißt auf Deutsch „Freuet euch“. Gemeint ist, dass wir mitten in der Passionszeit den Blick aufheben, um uns darüber zu freuen, dass Gott durch das Dunkel des Todes hindurch Licht bringen will und wird.

Auch wenn wir manchmal seine Wege nicht verstehen, so steht doch fest: Nichts kann uns trennen von seiner Liebe. Da, wo wir vielleicht keinen Ausweg mehr sehen, da ist nichts unmöglich für ihn.  Das wird auch deutlich am Weg Jesu ans Kreuz.

 

Der Wochenspruch für die neue Woche lautet: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“  Johannes 12,24

(Idee von Kirchenrat Dr. Zeeb: Als Zeichenhandlung kann man in ein Töpfchen Samen säen, die uns dann die ganze Woche an den Wochenspruch erinnern. Gut eignen sich Kresse oder Sonnenblumen, die binnen weniger Tage aufgehen)

 

Lied: EG 155,1-4 „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.“

(Kann gesungen oder gelesen werden)

Psalm 84 / EG 734

„Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth!

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn.“

Eingangsgebet:

L: Barmherziger Gott und Vater,

im Namen Jesu kommen wir zu dir und danken dir, dass du uns gerne hörst.

Du bist da für uns. Du bist unser Heiland und Erlöser.

Darum bringen wir dir unsere Not und bitten dich: Herr, erbarme dich.

Hilf uns, - dass wir jetzt zur Ruhe kommen,

-         dass wir deine Stimme hören können,

-         dass wir Weisheit bekommen und wissen, was zu Tun und zu Lassen ist und auch die Kraft, das Richtige zu tun.

Dir dürfen wir unsere Sorgen bringen. Wir vertrauen dir.

In der Stille reden wir weiter mit dir und beten miteinander und füreinander:

Stilles Gebet

 

L: Herr, Du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir. Amen


Lied: EG 98,1-3 „Korn, das in die Erde“   oder

Neue Lieder plus 130: „Du siehst mich“

„Du siehst mich, wo ich steh, wo ich geh, wo auch immer ich bin, auch wenn mein Blick nur suchen kann, bist du, bist du, bist du mein Gott.“

 

Predigttext: Markus 5,24-34 (BasisBibel)

Da ging Jesus mit Jairus. Die ganze Volksmenge folgte ihm und umdrängte ihn.

Es war auch eine Frau dabei, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt.

Sie hatte bei vielen Ärzten viel durchgemacht und alles dafür ausgegeben, was sie besaß. Aber es hatte nichts genützt, sondern die Blutungen waren nur noch schlimmer geworden. Die Frau hatte von Jesus gehört. Sie drängte sich in der Volksmenge von hinten an ihn heran und berührte seinen Mantel. Sie sagte sich: »Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.« Im selben Augenblick hörte die Blutung auf. Sie fühlte in sich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.

Jesus merkte sofort, dass Kraft von ihm ausgegangen war. Er drehte sich in der Volksmenge um und fragte: »Wer hat meinen Mantel berührt?«

Seine Jünger antworteten ihm: »Du siehst doch, wie die Volksmenge sich um dich drängt. Und da fragst du: ›Wer hat mich berührt?‹«

Doch Jesus sah umher, um festzustellen, wer es gewesen war.

Aber die Frau fürchtete sich und zitterte. Sie wusste ja, was mit ihr geschehen war. Sie trat vor, warf sich vor ihm nieder und erzählte ihm alles.

Er aber sagte zu ihr: »Tochter, dein Glaube hat dich gerettet.

Geh in Frieden. Du bist endgültig von deinem Leiden befreit.«

Lesepredigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wie groß die Not dieser Frau gewesen ist, können wir heute kaum mehr ermessen. Sie war eine Namenlose in der großen Menge, und doch war ihr Schicksal außergewöhnlich. Warum?

Sie war seit zwölf Jahren krank. Allein das ist schon schwer zu verkraften. Wir alle wissen, wie hart es ist, wenn wir nicht im Vollbesitz unserer Kräfte sind. Wenn wir nicht so können wie wir wollen, weil eine Krankheit uns hindert und lähmt. Für viele ist das schon schwer zu ertragen, wenn es über Wochen geht. Aber was es heißt, wenn jemand über Jahre krank ist, das können wohl nur die nachempfinden, die selbst betroffen sind. Ich denke z.B. eine Frau mit MS, die kurz nach ihrer Hochzeit vor mehr als 30 Jahren erkrankte und die schon Jahrzehnte im Rollstuhl sitzt. Doch wo immer es möglich ist, geht sie aus dem Haus und unter die Leute.

Ganz anders war es bei dieser Frau. Sie durfte eigentlich gar nicht in der großen Menge sein. Ihre schweren Blutungen machten sie nach den Bestimmungen der Tora (vgl. 3. Mose 12,1-8) kultisch unrein. In der Öffentlichkeit hatte sie nichts verloren. Durch ihr Frauenleiden war sie nicht nur unfruchtbar. Sie war auch ausgeschlossen. Sie durfte noch nicht einmal in einen Gottesdienst. Sie durfte keine öffentlichen Gebäude betreten und auch private Häuser nur, wenn der Gastgeber es gestattete - was wohl selten vorkam, denn diese Frau hätte sein Haus unrein gemacht. Sie dürfte keine Opfer im Tempel bringen und ihr Wasser nicht an den öffentlichen Brunnen holen. Und solche Menschenmengen, wie sie unser Predigttext beschreibt, hatte sie sowieso zu meiden. Sie war eine Ausgestoßene. Man könnte auch sagen, sie war in einer Art Quarantäne. Sie hatte eine weitgehende Ausgangssperre. Zwölf Jahre lang! Kein Wunder, dass sie Jesus nur von hinten berühren wollte. Wäre sie offen aufgetreten, hätte sie mächtig Ärger bekommen.

Zu dieser sozialen Isolation kam dann aber auch noch ihre wirtschaftliche Lage. Die war katastrophal. Sie hatte nichts mehr. Alles was sie je besessen hatte, ihr gesamtes Vermögen, hatte sie eingesetzt, um gesund zu werden. Sie war bei den teuersten Ärzten und wahrscheinlich auch bei vielen Scharlatanen gewesen. Ihr Geld nahmen sie alle - helfen konnte ihr keiner. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer und finanziell war sie ruiniert. Sie hatte alles verloren. Dass sie am Verzweifeln war, ist für mich nicht verwunderlich.

Sie ein Mensch mit großer Not, mitten in einer großen Menge und ich bin mir bewusst, dass sie bis heute nicht die einzige ist. Vieles ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Viele verbergen auch ihre Not. Und vieles wird durch den Lärm und die Geschäftigkeit der Menge ganz einfach übertönt. Und doch ist sie da, diese Frau und die Not, auch mitten unter uns. Wie aber gehen wir damit um?

Mir macht diese Frau Mut, drei Dinge zu tun.

Erstens: In ihrer Verzweiflung hat diese Frau nicht nur von Jesus gehört, von diesem Rabbi, der Wunder tut, sondern sie hat sich auch entschlossen, zu ihm zu gehen. Das hat sie wahrscheinlich einiges an Überwindung gekostet. Sie hatte vielleicht sogar Angst vor den Reaktionen ihrer Mitmenschen. Aber das war ihr egal. Sie machte sich auf den Weg. Sie ging zu Jesus, sobald sie die Möglichkeit dazu hatte. Sie suchte seine Nähe. Wie ist das bei uns?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir alles Mögliche versuchen in unserer Not. Wir mobilisieren alle unsere Kräfte. Wir gehen zu Ärzten und zu Steuerberatern. Wir rennen hierhin und dorthin und nehmen viele Tabletten. Das alles ist gut. Wir dürfen das tun. Aber vergessen wir manchmal nicht das Nächstliegende zu tun? Vergessen wir nicht oft, mit unseren Nöten zu Jesus zu gehen? Dabei ermutigt er uns doch: „Kommt her zu mir“.

Diese Frau macht sich auf zu Jesus. Sie schert sich letztendlich auch nicht mehr um das, was die Leute sagen. Sie tut alles was sie kann, um zu Jesus zu kommen.

Zweitens: Diese Frau geht nicht nur zu Jesus, sondern sie erwartet auch etwas von ihm. Für uns Heutigen scheint ihr Verständnis eher magisch zu sein. Sie sagt sich: „Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.“ Aber daraus spricht doch ein großer Glaube. Oder besser gesagt: Ein ganz festes Vertrauen in die großen Möglichkeiten dessen, zu dem sie geht. Sie traut Jesus und der Kraft, die in ihm wohnt, etwas zu. Sie traut Gott etwas zu. Wie ist das bei uns?

Was haben wir aus dem allmächtigen Gott gemacht? Aus dem Schöpfer Himmels und der Erden? Aus dem, der den Tod überwand? Aus Jesus, dem alle Macht gegeben ist, im Himmel und auf Erden? Trauen wir ihm etwas zu? Hoffen wir allein auf unsere Möglichkeiten oder hoffen wir auch auf ihn?

Diese Frau kommt in ihrer ganzen Verzweiflung zu Jesus und sie erwartet etwas von ihm. Ich denke, das können wir von ihr lernen. Für mich geht es dabei aber nicht darum, dass unser Glaube unendlich groß sein muss, sondern darum, dass wir wie jener Mann, von dem Markus später erzählt, anfangen zu rufen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ und von Gott etwas erwarten.

Drittens: Als Jesus in die Runde sieht, um den Menschen zu sehen, der ihn berührt hat, da weicht diese Frau seinem Blick nicht aus. Es ist ihr zwar unendlich peinlich. Sie wollte mit ihren Problemen und mit  ihrer Not nicht ins Rampenlicht. Ja, sie zittert sogar. Sie hat Angst. Angst vor den Reaktionen der Menschen und vielleicht auch Angst vor Jesus. Sie hat ja gespürt was geschehen ist, dass eine Kraft von ihm ausgegangen und sie geheilt ist. Aber sich ganz zu offenbaren, sich ganz zu öffnen, das fällt ihr schwer. Und dennoch hat sie es getan. Sie hat sich vor Jesus nicht versteckt und das Weite gesucht. Sie blieb vor ihm stehen. Sie warf sich vor ihm nieder und sie erzählte ihm alles. Sie hat ihr Herz ausgeschüttet vor ihm. Das machte sie noch einmal aufs Tiefste verletzlich und dennoch hat sie es getan. Und wie ist das bei uns?

Oft fällt es uns schwer, dem offenen Blick Jesu standzuhalten. Allzu oft wollen wir zwar etwas von ihm und Gott, aber die wirkliche Begegnung mit ihm scheuen wir. Im Vorbeigehen etwas abholen, das wäre in Ordnung. Aber bleiben in seiner Gegenwart, ihm alles erzählen, sich ganz öffnen? Das wollen wir oft nicht, oder?  Und doch ist genau das so wertvoll. Warum? Weil es so unendlich schön ist, Jesus zu begegnen. Und weil es nie nur um unseren Körper geht und um unsere äußerliche Gesundheit. Es geht immer auch um unsere Seele und darum, dass wir im Frieden sind.

Wie begegnet Jesus aber nun dieser namenlosen Frau?

Erstens: Sie ist ihm nicht egal.
 Da ist eine riesige Menschenmenge um ihn, ein Gedränge und Geschubse. Da ist dieser Mann, ein wichtiger Mann. Deshalb ist uns auch sein Name überliefert: Jairus. Er ist der Leiter der Synagoge vor Ort. Und da ist dieses wichtige Anliegen. Es geht um die Hilfe für seine todkranke Tochter und Jesus ist auf dem Weg in sein Haus. Aber, als diese Frau zu ihm kommt, da ist sie der wichtigste Mensch für ihn. Es gäbe so viel anderes, was wichtiger für Jesus sein könnte. Aber er bleibt stehen und sucht mit seinem Blick diese Frau. Für uns mag das schon irgendwie selbstverständlich sein, dass für Jesus jeder einzelne Mensch zählt. Wir haben es vielleicht schon oft gehört.

Aber wie wäre es, wenn wir darüber ganz neu staunen und es für uns ganz persönlich nehmen: Ich bin ihm wichtig und Sie auch? Nicht nur Jairus und die anderen, die einen Namen haben, den man kennt, haben für Jesus eine Bedeutung und Gewicht. Nein, auch diese Frau, von der wir noch nicht einmal den Namen wissen, ist Jesus nicht egal. Und Sie und ich, wir sind es auch nicht.

Zweitens: Deshalb nimmt er sich Zeit,
 alle Zeit der Welt, um die Frau mit seinem Blick zu suchen, um sie anzusehen, um ihr zuzuhören und um mit ihr zu reden. Seine Freunde und die Menschen um ihn herum werden schon ganz kribbelig, weil die Zeit drängt. Jairus stirbt wahrscheinlich tausend Tode, weil seine Tochter im Sterben liegt. Warum trödelt Jesus so? Man wartet auf ihn. Und doch bleibt Jesus stehen, bei dieser einen Frau - und auch bei uns. Er übersieht uns nicht. Er interessiert sich für uns. Für unsere Ängste, für unsere Nöte, für unsere Verzweiflung. Und er kümmert sich um uns. Niemand ist ihm egal. Darum nimmt er sich Zeit. Wie schön wäre es, wenn wir uns auch Zeit nehmen würden für Ihn, Zeit zum Beispiel im Gebet, um ihm zu begegnen. Warum?

Drittens: Weil zum einen die Begegnung mit Jesus diese Frau von ihrem körperlichen Leiden befreit. Was für ein Wunder! Da geht eine Kraft von Jesus aus und der Blutfluss bei der Frau ist gestoppt. Nicht nur kurzfristig, sondern Jesus kann ihr zusprechen: „Du bist endgültig von deinem Leiden befreit.“ Wow. Aber die Begegnung mit Jesus bewirkt bei dieser Frau noch viel mehr. Sie wird ganzheitlich heil. Jesus sucht nicht den Kontakt mit ihr, um sie bloßzustellen. Er benutzt nicht das, was sie sagt, um sie zurechtzuweisen. Leider passiert das ja manchmal unter uns. Vielleicht sind wir deshalb so vorsichtig, uns vor anderen zu öffnen. Wir haben Angst, dass das, was wir sagen, gegen uns verwendet wird. Dass man uns verletzt, dass man mit dem Finger auf uns zeigt und wir niedergemacht werden.

Jesus reagiert ganz anders. Er beschämt die Frau nicht. Er kritisiert sie nicht, sondern er würdigt ihren Glauben. Er stellt ihr Vertrauen heraus. Er löst nicht nur ihre gesundheitlichen Probleme. Er holt diese Frau nicht nur aus ihrer gesellschaftlichen Isolation heraus. Er spricht sie an mit „Tochter“. Liebevoller geht es nicht. Eine engere Beziehung ist kaum möglich. Er lässt sie ganz nah an sich heran. Sie soll zu seiner Familie gehören, zur Familie Gottes. Sie wird gewürdigt eine Tochter des Allerhöchsten zu sein.

Und er entlässt sie mit dem wunderschönen Wort: Geh in Frieden. Dabei wird sie gar nicht gewusst haben, wohin sie zuerst hin gehen soll: Nach Hause oder in den Tempel, zur Nachbarsfrau oder an den Brunnen, auf den Markt oder sonst wo hin. Aber sie konnte gehen im Frieden. Jesus hat nicht nur ihren Körper geheilt. Er schenkt ihr Frieden. So wurde aus einer verzweifelten Frau, die zu Jesus gekommen war, ein fröhlicher Mensch.

Kann das nicht auch für uns eine Ermutigung zu sein, Jesus zu begegnen, mit unserer Not, seine Nähe zu suchen und uns von ihm berühren zu lassen? Ich bin mir sicher. Er wartet auf uns. Er empfängt uns mit offenen Armen. Wir sind ihm nicht egal. Er nimmt sich Zeit für uns. Und in seiner Nähe finden wir neue Kraft, innere Ruhe und seinen Frieden.   Amen

 

Lied: EG 396,1-3+6 „Jesu, meine Freude“  oder  „Jesus, berühre mich“, von Albert Frey   https://www.youtube.com/watch?v=WX4qwSsNRxw

Fürbittengebet

L: Herr Jesus Christus, du lädst uns ein: „Kommt her zu mir“, und ermutigst uns: „Bittet so wird euch gegeben.“ Darum kommen wir jetzt zu dir. Von dir geht die Kraft aus, die zum Leben hilft. Du bist stärker als jede Krankheit und stärker als der Tod. Du hast Wege, wo wir keinen Weg sehen. Du bist unsre Hoffnung und unsere Freude. Dich rufen wir an.

A: Herr, erbarme dich.

L: Herr Jesus Christus: Mit all unseren Sorgen, mit all unsern Nöten, mit allem was nicht in Ordnung ist, kommen wir zu dir und bitten Dich: Berühre und heile uns. Hilf denen, die krank sind, schütze ihre Familien und schenke in diesen Tagen, dass die Ausbreitung der gefährlichen Krankheitserreger verlangsamt und gestoppt werden kann. Dich rufen wir an.

A: Herr, erbarme dich.

L: Herr Jesus Christus, wir bitten dich: Mache uns wach und hilfsbereit für die Not überall auf der Erde. Stärke und ermutige die, die im Gesundheitswesen, in Pflegeeinrichtungen und überall wo jetzt Menschen für andere Dienst tun arbeiten. Inspiriere die Forschenden und gib allen, die Verantwortung für andere tragen Weisheit, Kraft und die richtigen Entscheidungen.

Dich rufen wir an.

A: Herr, erbarme dich.

L: Herr, Jesus Christus, stehe allen bei, die nicht mehr weiterwissen, die bedrängt sind oder Not leiden. Sei bei denen, die keine Helfer haben. Schütze die Schwachen und hilf uns, einander beizustehen.

Dich rufen wir an und beten gemeinsam:
L: Vater unser

 

Lied: EG 564 „Segne uns, o Herr“

 

Segen

L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.

 

 

Norbert Braun,

Dekan Münsingen